World War Z - Review

Für Fans von kooperativen Zombie-Spielen führt seit Jahren kein Weg an diesem Namen vorbei: Left 4 Dead. Während Spieler seit Ewigkeiten auf einen dritten Teil warten, wurde es recht ruhig um das Untoten-Genre. Da die Messlatte durch die Valve-Spiele verdammt hoch liegt, könnte man meinen, dass sich niemand mehr an das Genre heranwagt, weil man kaum neue Akzente setzen kann. Dass das aber nicht zwingend notwendig ist und dass man auch durch "inspiriertes Abschauen" für eine Mordsgaudi sorgen kann, das zeigt Saber Interactive mit World War Z, welches auf der Prämisse und den Regeln des gleichnamigen Films bzw. Buches basiert.

Falls ihr euch denkt: "Moment mal, bei dem Namen klingelt in der Ferne irgendwas?!", dann kommt das nicht von ungefähr. World War Z ist das Spiel zum Film mit Brad Pitt, der auf dem gleichnamigen Buch basiert - zumindest vom Titel her. Inhaltlich nimmt sich die filmische Umsetzung sehr viele Freiheiten und solche Freiheiten nimmt sich konsequenterweise auch das Spiel. Bekannte Figuren aus Film oder Buch findet man nämlich nicht, World War Z borgt sich viel mehr die Prämisse der Schwarm-Zombies, die sich fast schon wellenartig in großen Heerscharen über ihre Opfer hermachen.

Das ist dann auch das, was das Spiel von vornherein vom Valve-Konkurrenten abhebt: Statt mit beliebigen Horden an Zombies, die sich individuell auf das Ziel zubewegen, bekommen Spieler es hier regelmäßig mit hunderten und aberhunderten von Untoten zu tun, die wie eine unaufhaltsame Wand auf das kooperative Team zustürmen und sich nur durch ausreichend Kugeln und Schläge ins Gesicht mit einem scharfen Gegenstand stoppen lassen. Nur um das mal in eine Zahl zu gießen: Bis zu 500 Untote tummeln sich bisweilen auf eurem Monitor. Gleichzeitig!


World War Z
Bei so einem Ausblick kann der Schussfinger schon mal schwitzig werden.


Kommt ein Zombie geschlichen ...



Der Fokus des Spiels liegt damit auch ganz klar auf dem kooperativen Kampagnen-Modus, in dem man mit bis zu drei anderen Spielern gemeinsam versucht, Aufgaben zu erfüllen, Überlebende zu retten und strategische Punkte zu halten, ohne dabei gefressen und Teil der Horde zu werden. Das Spiel teilt sich hierbei in vier Episoden auf, die jeweils in zwei bis drei Kapitel gegliedert sind. Dabei finden die Episoden in unterschiedlichen Länder und Städte (New York, Jerusalem, Moskau und Tokyo) statt, um visuell für Abwechslung zu sorgen, während die Kapitel den Spieler innerhalb der Städte an unterschiedliche Orte bringen und damit auch verschiedene Missionsziele fordern.

Die einzelnen Kapitel sind innerhalb der Episode durch einen losen, roten Faden verbunden, der ganz grob so etwas wie einen übergreifenden Handlungsbogen spinnt. Daher spielt man in einer Stadt auch immer einen von vier vorgegebenen Charakteren, die im Hauptmenü durch eine kurze Cutscene zumindest einen Hauch von Charaktertiefe erhalten. So kann man in New York zum Beispiel Tashaun Burnell spielen, einen Feuerwehrmann im Dienste der Stadt, während man in Jerusalem in die Haut von Dina Mizrahi schlüpfen darf, die als Architekten-Tochter mit Militär-Hintergrund versucht, die Menschheit zu retten. Insgesamt bietet das Spiel somit 16 verschiedene Charaktere unterschiedlicher Couleur, die aber lediglich in den genannten Videosequenzen so etwas wie "Leben" eingehaucht bekommen. Man kann diese Clips aber auch getrost ignorieren, spielen sich die Charaktere im Kern doch komplett gleich.

Jedes Kapitel kann jeweils in einem von fünf Schwierigkeitsgraden gespielt werden, um die Herausforderung anzupassen. Während World War Z auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad recht entspannt mit den Spielern ins Gericht geht, mit Munition und Waffen um sich wirft und Teambeschuss kaum bestraft, sollte der höchste Grad nur von eingespielten Teams gewagt werden: Hier sind Waffen und Munition Mangelware, Schaden durch eigenes Feuer wird eiskalt bestraft und die Zombies reagieren deutlich empfindlicher auf Lärm und unbedarftes Vorgehen. Moment, Lärm? Genau. Die Zombies sind lärmempfindlich, was bedeutet: Man muss schleichen und auf Waffen mit Schalldämpfer oder Nahkampf-Angriffe ausweichen, um nicht sang- und klanglos überrannt zu werden. Ähnlich geht es übrigens auch in Days Gone für die PlayStation 4 zu, das vielleicht für diejenigen Zombie-Fans einen Blick wert sein könnte, die lieber alleine und ohne Freunde ins Abenteuer ziehen.


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Wer in hohen Schwierigkeitsgraden taktisch unklug vorgeht, wird einfach binnen Sekunden überrannt.


Die Episoden selbst sind, wie in den anderen Genre-Vetrtetern, eigentlich recht simpel: Rennt als Team an das Ende der Mission, sterbt dabei nicht und tötet so viele Zombies wie möglich, während ihr Aufgaben erfüllt. Angeschlagene Spieler können mit Medikits wieder aufgepäppelt werden, Munition, Waffen und weitere Boni findet man je nach Schwierigkeitsgrad mal mehr, mal weniger häufig auf den Karten verteilt. Manchmal sind diese in verschlossenen Bereichen, die man allerdings nur mit C4 öffnen kann. Doch für welchen Bereich nutzt man jetzt das seltene C4 und viel wichtiger: Wie viele Zombies werden durch die Explosion auf die Gruppe aufmerksam? Oder spart man das C4 für einen anderen Bereich, in der Hoffnung, dort bessere Waffen zu finden und weniger Untote aufzuwecken?

Übrigens: Damit die Episoden nicht zu monoton werden, bietet das Spiel immer wieder unterschiedliche Missionen, die es auf den sonst recht linearen Karten zu erfüllen gilt. Mal muss man einen Wissenschaftler eskortieren, dann einen Bus voller Zivilisten beschützen und das Militär unterstützen. Immer wieder gibt es, wie in Left 4 Dead, Checkpoints, die man für einen längeren Zeitraum halten muss. Hier habe ich die Möglichkeit, an fest definierten Punkten zufällig auffindbare Verteidigungsanlagen zu errichten, um die Massen an Untoten zu kontrollieren. Gerade in hohen Schwierigkeitsgraden ist es essenziell, hier die spärlichen Mittel strategisch richtig zu platzieren.


Level me up, Scotty!



Wie erwähnt unterscheiden sich die spielbaren Charaktere nicht in ihrem Spielstil; die Unterschiede definieren sich allein durch die Präferenz des Spielers, welche Rolle er im Kampf übernehmen möchte. Vor dem Spielstart darf man sich für eine von sechs sehr unterschiedlichen Klassen entscheiden, die man dann für den Rest des Kapitels inne hat. Als "Gunslinger" ist das virtuelle Alter Ego zum Beispiel im Umgang mit Waffen geschult, hat mehr Kapazität für Munition und startet direkt mit Handgranaten in eine Runde. Der "Slasher", meine persönliche Lieblingsklasse, ist hingegen, wie der Name es vermuten lässt, extrem effektiv im Nahkampf, kann mehr Untote gleichzeitig filetieren und ermüdet weniger schnell, während er wild um sich schlägt. Das Spiel lädt dabei zum Experimentieren ein, denn je öfter ihr mit einer Klasse spielt, desto mehr XP sammelt ihr und desto eher steigt ihr im Level auf, was euch Zugänge zu neuen passiven Fähigkeiten ermöglicht. Zusätzlich sammelt man für jedes erfolgreich beendete Kapitel Credits, die man in Upgrades investieren kann und sollte. Das erinnert ein wenig an Killing Floor 2, was aber nicht negativ zu verstehen ist.

So kann man bis zu 30 passive Fähigkeiten pro Klasse freischalten, die man dann nach dem eigenen Spielstil ausrichten kann. Damit man nicht zu stark wird, muss man sich innerhalb einer Klasse meist zwischen einem von drei Boni entscheiden, welchen man jetzt nutzen möchte. Geht ihr als Gunslinger eher auf eure Munitionskapazität oder legt ihr die Boni so aus, dass mehr Schaden verursacht wird? Die Möglichkeiten sind vielfältig und jeder Spieler und jede Spielerin sollte problemlos Möglichkeiten finden, den eigenen Spielstil zu fördern. Das ist auch wichtig, denn obwohl man in vier Städten und insgesamt elf Kapitel unterwegs sein kann, hat man (gerade auf den niedrigen Schwierigkeitsgraden) in wenigen Stunden alles mindestens einmal gesehen. Daher ist es nur wichtig und richtig, durch eine schier unendliche Flut an Freischaltbarem Anreize zu schaffen, die Missionen zu wiederholen. Nett: Die Boni sind allesamt nur durch Spielen und eigene Leistungen freischaltbar; Mikrotransaktionen oder ähnliche Abkürzungen gibt es nicht.

Was für die Klassen gilt, gilt übrigens auch für die Waffen. Je öfter ihr Waffen benutzt, desto höher steigen diese in ihrem Level und können mit Credits aufgerüstet werden: Mehr Munitionskapazität, mehr Schaden, Schallreduktion und Rückstoß sind nur einige der verbesserbaren Aspekte. Über 25 verschiedene Waffen finden sich im Spiel, die eigentlich für jeden Spielstil etwas bieten sollten. Die Waffen sind dabei in unterschiedliche "Tiers" unterteilt. Je weiter man in einem Kapitel voranschreitet, desto besser sind die Waffen, die man findet. Zudem entdeckt man im Spiel selbst noch "Heavy Weapons" wie Kettensägen oder automatische Schrotflinten. Für diese Waffen kann keine Munition gesammelt werden und sie sollten sehr smart eingesetzt werden, um einen fast verlorenen Kampf noch drehen zu können.


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Zahlreiche Waffen- und Klassenupgrades fördern den eigenen Spielstil.


PvP mit untotem Kniff und problematische Technik



Wer jetzt noch nicht genug von freischaltbaren Waffen- und Klassenupgrades hat, für den habe ich gute Nachrichten: Es gibt noch mehr! Denn neben dem Herzstück, dem Kampagnen-Modus, gibt es auch noch einen klassischen PvP, in dem Spieler sich einfach gegenseitig über den Haufen ballern können, um Punkte für das Team zu sammeln. Die insgesamt sechs verschiedenen Spielmodi sind dabei bekannte Kost: Von Team-Deathmatch über King of the Hill hat man alles schon mal woanders gesehen oder gespielt, auch wenn alle Modi hier auf Teams ausgelegt sind. Man spielt also nie alleine um den Sieg, sondern immer für das eigene Team. Ähnlich wie im Kampagnen-Modus wählt man vor jedem Match eine Klasse mit vordefinierten Waffen-Sets aus, die man die komplette Runde über nicht ändern kann, was bisweilen extrem nervt. Je mehr Kills man macht, desto mehr XP bekommt man, die man dann in Upgrades investieren kann - und so weiter.

Einen besonderen Kniff stellen hier die Untoten dar, denn die greifen in regelmäßigen Abständen aktiv in das Spielgeschehen ein. So rennt eine Horde der wandelnden Toten immer mal wieder auf vordefinierten Bereichen der Karte durch die Gegend und macht die Gebiete für einige Zeit unpassierbar, während sich immer wieder Zombies aus der Gruppe lösen und Spieler auf der Karte angreifen. Wenn ein Team also gerade einen Punkt besonders gut hält, kann sich das Blatt binnen Sekunden wenden, wenn sich das dominierende Team plötzlich gegen das andere Team und die Untoten gleichzeitig wehren muss. Das ändert nichts an der Mittelmäßigkeit der Spielmodi, sorgt aber immerhin für einen erfrischenden Twist in den Scharmützeln.


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Abseits der beeindruckenden Zombie-Massen hakt es technisch leider an vielen Ecken und Kanten.


Apropos mittelmäßig: Technisch ist World War Z leider nur genau das. So beeindruckend die Unmengen an wandelnden Leichen auch sind, die gleichzeitig über den Screen rennen, so sehr klemmt und knarzt es an allen anderen Ecken. Der Netzcode ist momentan der pure Horror, was vor allem in den PvP-Modi auffällt: Das Trefferfeedback ist schwammig, die Hitboxen mehr als undurchsichtig und das Waffenbalancing stimmt ebenfalls nur bedingt. Im Kampf mit anderen Spielern gegen die Untoten kann man darüber partiell noch hinwegsehen, aber gerade im kompetitiven Umfeld habe ich ein ums andere Mal frustriert den Bildschirm angeschrien.

Zudem nervt es immens, dass man keine privaten Lobbies erstellen oder Spiele filtern kann. Möchte man sich online mit Freunden durch die wandelnden Kadaver schnetzeln, wird man oftmals in weit fortgeschrittene Partien anderer Spieler geworfen, die oftmals schon dem Untergang geweiht sind. Eine "Spiel von Beginn starten"-Funktion vermisst man schmerzlich, genauso wie eine Filterfunktion für die Mitspieler, um die Ping-Probleme zumindest irgendwie einzudämmen.

Last but not least: Der Umfang ist aktuell ein wenig dürftig. Wie erwähnt hat man inhaltlich nach wenigen Stunden bereits alles gesehen - den Grind für Freischaltbares mal nicht mit eingerechnet. Immerhin kostet das Spiel "nur" 35 Euro und da relativiert sich der momentan geringe Content durchaus ein wenig. Immerhin haben die Entwickler bereits eine grobe Roadmap für World War Z vorgestellt, die neue kostenlose Inhalte ankündigt, unter anderem eine frische Episode in Tokyo oder auch neue Spezial-Zombies. Ein weiterer Schwierigkeitsgrad, neue Spielmodi und die obligatorischen Waffen- und Charakter-Skins stehen ebenfalls auf der Agenda.



HerrBeutel

Fazit von Philipp:

World War Z - der Film - kam 2013 in die Kinos. 2017 wurde das Spiel angekündigt und ich vermute: Niemand hat so wirklich darauf gewartet oder danach gerufen. Auch ich hatte den Titel nur so halb auf dem Schirm, wirkte das alles doch sehr nach herumliegender Lizenz-Wurst, die halt irgendwie noch versoftet werden musste. Dennoch kennt ihr mich: Wenn es um Zombies geht, MUSS ich einfach mal reinschauen - und siehe da, World War Z macht verdammt viel Laune. Wenn man sich zum ersten Mal dieser gigantischen Zombiemasse ausgesetzt sieht und verzweifelt versucht, eine Stellung zu halten, werden die Finger schon mal schwitzig. Gerade zu Beginn sind es diese Momente, die über viele technische Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen.

Doch nach mehreren Stunden häufen sich die "Ach, Mensch!" und "Fuck, echt jetzt?"-Momente. Wenn die Entwickler hier fleißig nachpolieren und wie geplant neue Inhalte nachschieben, dann verschwinden nach und nach diese Ärgernisse und lassen einen ungestörten Blick auf ein überraschend gutes und spaßiges Koop-Spiel zu, das tatsächlich eine ernsthafte Alternative zu Valves in die Jahre gekommenem König auf dem Untoten-Thron sein könnte.

Besonders gut finde ich ...
  • abwechslungsreiche Kampagne
  • beeindruckende Zombiemassen
  • haufenweise Unlockables
  • hoher Wiederspielwert
  • PvP-Modi mit Zombie-Twist
  • viel Potential durch Roadmap
Nicht so optimal ...
  • technisch teils frustrierend
  • schwammiges Schussverhalten
  • geringer Kampagnenumfang
  • Matchmaking optimierungsbedürftig
  • Lobby-Funktionen fehlen

Philipp hat World War Z auf dem PC gespielt.
Das Spiel für diese Review wurde von Philipp selbst erworben.


World War Z - Boxart
  •  
  • Entwickler:Saber Interactive
  • Publisher:Focus Home Interactive
  • Genre:Survival-Action
  • Plattform:PC, PS4, Xbox One
  • Release:16.04.2019

Kommentare & Likes

Deine Meinung ist gefragt.
  • Tim
    #1 | 16. Mai 2019 um 17:20 Uhr
    Schon witzig, dass sich Zombies in Spielen über etliche Jahre nicht verändern (okay, in RE5 sind sie Motorrad gefahren) und jetzt kommen mit World War Z und Days Gone gleich zwei Spiele mit "Zombiefluten" wie Wassermassen im gleichen Monat um die Ecke. Zumindest bei Days Gone hat das, finde ich, schon sehr viel frischen Wind reingebracht. Freut mich, dass WWZ auch ganz gut geworden ist - davon ist bei so einer Lizenz ja nicht unbedingt auszugehen. Und nach wie vor merkwürdig, dass Valve mit L4D auf so viel Geld verzichtet - aber gut, wahrscheinlich spült Steam mehr als genug Kohle ein.

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