Wheelman - Review
Vin Diesel: Die lebendige Abrissbirne wütet in Barcelona
Es ist soweit: Das zweite Spiel mit dem coolen Kerl mit der Glatze und der tiefen Stimme hat den Weg in meine Hände gefunden. Man, was habe ich mich gefreut. Schon der erste Auftritt Vin Diesels in einem Videospiel hat mir eine große Tüte Spaß eingebracht. Nach The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay im Jahre 2004 ist Wheelman dieses Jahr das Erste von zwei Spielen, in denen ihr persönlich Hand an den Babynator die coole Actionsau anlegt. Hand anlegen ist immer super – aber macht das in diesem Fall auch Spaß?
Bitte an der nächsten Kreuzung links abbiegen.
Wheelman beginnt mit der, schon aus der Demo bekannten, Flucht inklusive der hübschen Dame, die sich galant auf die Rückbank deines Autos wirft. Als hätte man mit einer Frau im Auto nicht schon genug Probleme, folgt nun eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Das Schlimmste an der Geschichte? Sie spielt Navigationsgerät und entscheidet sich natürlich sehr kurzfristig und mit mehreren lauten "Links! Links! Links!", dass sie an der eben passierten Abzweigung auch wirklich abbiegen wollte. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, Gaffer-Tape im Auto mitzuführen – zum Selbstschutz.
Warum man in Barcelona den Fahrer für allerlei klein- und großkriminellen Möchtegern Gangster mimt, ist unklar. Irgendwie scheint sich der Entwickler darüber auch nicht ganz im Klaren zu sein, bekommt man doch auf dem Cover mitgeteilt, dass man Milo Burik, einen Geheimagenten spielt. Ziel ist es, sich in die Unterwelt Barcelonas einzuschleusen und eine Bedrohung der internationalen Sicherheit auszuschalten. Wieso ist das Handbuch eine Akte über Milo Burik, der man aber auch nicht mehr Informationen entlocken kann? In den ersten Zeilen erfährt man, dass versucht wird, mehr Informationen über ihn zu besorgen und, dass man ihn im Auge behalten soll. Das fällt, zugegebenermaßen, nicht besonders schwer, steckt man doch in seiner Haut.
Komm mal zur Sache!
Nachdem wir nun
Aber hey, immerhin man hat noch zwei weitere Aktionen zur Auswahl, falls Bedarf nach Abwechslung besteht. Für deren Ausführung will aber eine Anzeige gefüllt werden. Was für Chev Chelios in Crank das Adrenalin ist, ist für Milo Konzentration. Schäferstündchen auf offener Straße dürft ihr allerdings nicht erwarten – schade. Stattdessen konzentriert sich Milo durch Raserei oder Vandalismus. Hat die Konzentration einen bestimmten Wert überschritten, könnt ihr sonst unmögliche Dinge mit eurem Auto anstellen. Da wäre zum einen das Schießen nach vorne und zum anderen, wer hätte es gedacht, das Schießen nach hinten. Selbstverständlich hat sich Milo nicht umsonst konzentriert, denn beide Aktionen werden in Zeitlupe ausgeführt. Während Ersteres unspektakulär über die Bühne geht, dreht sich das Auto beim so genannten Cyclone in der Fahrt um 180 Grad und Milo kann in Ruhe nervigen Gegnern hinter ihm in den Motorraum schießen. Unendlich Zeit ist dafür allerdings nicht vorhanden, denn auch die Milo’sche Konzentration hat mal ein Ende. Eine falsche Schlussfolgerung wäre übrigens, dass keine Gegner mehr da sind, weil man sie soeben explodieren hat sehen. Irgendwo in Barcelona scheint es ein Nest zu geben, denn wenn es das Spiel so will, habt ihr immer Feinde am Arsch – extrem nervig.
Wo Action, da auch Waffen.
Meist korrekt. Umkehrschluss? Leider Fehlanzeige. Neben seiner Tätigkeit als Fahrer legt Milo des Öfteren auch mal selbst Hand an die Waffe. Recht früh schon erhält man eine Pistole – mit unendlicher Munition. Was Kithaitaa bei seinen Resident Evil 5 Erfahrungen sicherlich super entspannte Momente eingebracht und des Spiels im gleichen Atemzug sämtlicher Spannung entledigt hätte, macht genau das mit Wheelman. Leider nimmt der Munitionsüberfluss kein Ende. Selbst, wenn man in späteren Missionen eine andere Waffe aufsammelt, braucht man sich über die Munitionsanzeige gar keine Sorgen zu machen. Beispiel gefällig? Wir werden beauftragt, jemanden aus einer alten U-Bahnstation zu befreien. Ausrüstung zu Beginn sind die Pistole und eine kürzlich aufgesammelte Maschinenpistole mit ca. 130 Schuss. Etwa 10 Minuten und 60 Gegner später wieder an der frischen Luft, stehen wir mit gesicherter und befreiter Begleitung, der Pistole und der nun reichlich benutzten Maschinenpistole inkl. randvollem Magazin von 1600 Schuss auf einem Parkplatz. Dass diese Munition bis Spielende reicht lässt sich erahnen, oder?
Das nicht vorhandene Munitionsproblem ist aber nicht das einzige Manko, das Milo zu Fuß zu bieten hat. Kennt ihr diese
Fazit von pel.Z:
Jaja… Vin Diesel hat die Action im Blut. Leider scheinen die Entwickler keine Blutprobe genommen und untersucht zu haben, denn so richtig will Wheelman in keinerlei Hinsicht aufblühen. Die Fahrten mit allem Drum und Dran wissen zwar eine Zeit zu unterhalten, aber dann hat man auch schon leider alles gesehen. Es fehlt einfach die Abwechslung. Milo zu Fuß bietet diese leider auch nicht. Die Idee, das Fahren durch Schusswechsel aufzulockern ist zwar eine Gute, geht aber nicht auf. Den Entwicklern ist es nicht gelungen, den Wechsel flüssig zu gestalten. Dadurch wirkt das gesamte Konzept sehr inszeniert und gezwungen, was den Spielspaß nicht gerade Luftsprünge machen lässt, obwohl das Potenzial wirklich vorhanden ist. Dieses Gefühl spiegeln auch die Charaktere in den Zwischensequenzen wider, die allesamt sehr steif und lustlos agieren. Wieso sollte man dann als Zuschauer anders reagieren?
Ein Pluspunkt sind die zahlreichen Missionen. 31 Hauptmissionen, die die Story voran treiben und 105 Weitere, mit deren erfolgreichen Abschließen ihr Milos Fahrverhalten verbessern könnt. Genug zu tun also, wäre da nicht die vorherrschende Eintönigkeit. Die 105 Nebenmissionen unterteilen sich auf 7 Unterkategorien, deren Fortschritt man jederzeit im PDA nachschauen kann. 7 Kategorien und 105 Nebenmissionen? Das macht ja 15 Missionen pro Kategorie. Richtig! 15 Mal dürft ihr bestimme Autos klauen. 15 Mal dürft ihr Rundenrennen gewinnen. Oder Taxi fahren. Ach, ihr merkt schon selbst… ihr dürft. Ihr dürft auch Wheelman kaufen – ein Muss ist es allerdings nicht.
- Viele Missionen…
- Stimmige Grafik und flüssige Open-World Darstellung
- Einfache, gut funktionierende Steuerung
- …die aber leider ebenso vielzählig wie langweilig sind
- Zwischensequenzen wirken steif
- und Lippensynchronität sucht man vergebens
- Milo zu Fuß wirkt aufgesetzt
- Munition im Überfluss
- Automatische Zielfunktion zielt in kinderfreundliche Regionen
pel.Z hat Wheelman auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.
Fazit von Philipp:
Ich kann Kollege pel.Z verstehen. Klar, 15-mal Nebenmissionen des gleichen Typs können langweilig sein. Natürlich ist es fad, wenn man 15 Missionen hintereinander nur vor Polizei und Rumänen flüchtet. Oder 15-mal hintereinander nur alles plattmacht, was nicht schnell genug aus dem Weg springt. Das Wichtige dabei ist aber: man kann es machen. Man muss aber nicht. Ich habe immer mal wieder die Hauptstory (wenn man es überhaupt Story nennen darf) unterbrochen und hier und da einige Neben-Missionen gemacht. Solange man das für sich gut dosiert, kann es wunderbar unterhalten. Zugegeben, die Straßenrennen fand ich zum kotzen, aber sonst? Es macht Laune - und das ist das, was zählt. Ich muss die Rennen ja nicht fahren, sie geben nur einige Boni, auf die man verzichten kann. Das Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Storymodus und dem dort gebotenen Spektakel. Denn wer das erste Mal, umgeben von gefühlten drölfzillionen Gegnern, ein Motorrad geklaut hat, dann mit dem Cyclone eine 180° Umdrehung vollführt und dabei auf dem Vorderrad fahrend drei Vans und zwei Autos in die Luft sprengt, sich umdreht, über eine Rampe saust, während dem Flug vom Motorrad springt, auf einem Autodach landet, den Fahrer rausschmeißt und selbst ans Steuer sitzt, während Drumherum überall alles in Schutt und Asche gelegt wird, dann ist man mitten drin. Drin im Vin Diesel typischen B-Movie Charme voller übertriebener Action und sinnloser Knallorgien. Die Mischung aus GTA IV, Burnout und Driver ist den Jungs von Midway gelungen. Natürlich kommt der Titel in keiner Sekunde an die Vorbilder heran, die Fußmissionen sind dafür einfach zu belanglos und die grafische Präsentation teilweise einfach zu fad, doch sobald sich Milo aka Vin Diesel an das Steuer eines Autos begibt, ist das alles vergessen - auch die belanglose Story oder die Abwechslungsarmut.
Physik? Realismus? Tiefgang? Nix da. Wheelman ist der ausgestreckte Mittelfinger an alle Hyperrealismus-Spiele da draußen. Ähnlich wie in seinen Filmen tut Vin Diesel genau das, was er in 'The Fast and the Furious' oder 'Riddick' schon am Besten konnte - Scheisse in die Luft jagen, rumballern, Auto fahren und allen logischen Gesetzen trotzen. Wer also vor dem Spielen gerne auch mal sein Gehirn abschaltet, wird mit Wheelman so viel Spaß wie schon Lange nicht mehr haben. Wer sich grandiose Grafik, eine tolle Story und viel Tiefgang erwartet oder allgemein nichts mit Vin Diesel Filmen anfangen kann, der fischt auch in der Toilette nach Goldnuggets. Letztendlich zählt sowieso: Spaß ist, was ihr draus macht.
- Open World Feeling
- Non-Stop Action
- Stimmiger Soundtrack
- Gute Steuerung
- B-Movie Unterhaltung
- Motherf*cking Vin Diesel
- Keine wirkliche Story
- (Lippen-)Synchronisation
- Charaktermodelle
- Übersetzungsfehler
- Etwas blutleer
Philipp hat Wheelman auf der Xbox 360 gespielt.



















#1 | 30. März 2009 um 20:19 Uhr
Beide haben total verschiedene Meinungen. Naja, mein Thema war Wheelman sowieso nie und ist es auch jetzt nicht.
#2 | 30. März 2009 um 23:24 Uhr
Ich wunder' mich gerade, dass es keinen gleichnamigen Film zu dem Game gibt. Das würde ganz gut ins Bild passen - Stichwort mittelprächtige Umsetzung.
Aha, während des schreibens mal ein bisschen gegoogelt. Herausgefunden: Beides sollte schon letztes Jahr erscheinen. Jetzt wird mir einiges klar.
#3 | 31. März 2009 um 20:43 Uhr
Hauptsache Vin fands gut und hats durchgewunken. Wenn der zufrieden ist, ist doch alles okay