
Anno: Erschaffe eine neue Welt - Review
Wii-Neuland, Comic-Welt und Pointer-Strategie
Im Jahre 1404 scheint einiges los gewesen zu sein. Gleich zwei Mal lässt Ubisoft Aufbaustrategen zeitreisen: Einmal am PC und einmal an der Wii. Während PC-Spieler noch warten müssen, sind Wii-Zocker schon versorgt. Ich habe mich in die "neue" Anno-Welt begeben - kleines Spin-Off oder großes Exklusiv-Abenteuer?
Anno? Wo denn? Is' doch nur Casualschrott ...
Was? Wer hat den diese Überschrift verbrochen?! Achso, das war ja ich - stimmt. Hm. Was ist denn daran überhaupt falsch? Wenn ich mir so die Screenshots näher ansehe, sieht das ganz anders aus als die Anno's, die ich vom PC gewohnt bin. Wer ist denn diese junge Frau da rechts unten? Was ist das für eine ungewohnt niedliche Grafik? Und was ist das da in der Mitte für ein Pointer - moment. Pointer? Ist das Ganze etwa ein Wii-Spiel? Exakt: Anno: Erschaffe eine neue Welt ist ein exklusives Anno-Spiel für Nintendos weißen Kasten. Und obwohl es zuerst nicht sonderlich interessant aussieht, ist es doch ein richtig großer Spaß!
Von Maßstäben, Comic-Welten und überdimensionalen Dachsen
Was natürlich schon auf den ersten Blick auffällt, ist die "ungewohnt niedliche Grafik", wie ich sie oben schon genannt habe. Ja, sie ist ungewohnt und sie ist niedlich. Aber sie ist keinesfalls schlecht! Vielmehr passt sie perfekt zum Spiel, der Präsentation und vor allem der Wii an sich. Klar ist die Entscheidung für eine Comic-Grafik auch stark hardwarebedingt, aber dafür haben sich Blue Byte und keen Games etwas richtig Gutes ausgedacht. Besonders erfreut haben mich die kräftigen und deutlichen Farben, dank denen ich eigentlich alle Gebäude voneinander unterscheiden konnte. Insgesamt gibt es im Spiel vier verschiedene Zoomstufen (+ eine Karte), in denen die Optik so gut wie immer einen guten Eindruck machte. Allerdings fallen aus der Nähe in der stärksten Zoomstufe durchaus einige Grafikfehler auf, aber das macht nichts - schließlich braucht man diese Zoomstufe so gut wie nie. Was mir aber negativ auffiel, obwohl es eigentlich nur Nebensache ist, sind die extrem ungenauen Maßstäbe von Flora und Fauna. Die Gebäude und Menschen sind ja einigermaßen akzeptabel dargestellt. Aber wenn menschengroße Dachse herumstreunen und Kühe kleiner als das Gras sind, dann stimmt da irgendwas nicht ... aber ist nur so 'ne Theorie.

Point it, Baby!
Nicht nur bei der Grafik und der schicken Präsentation (später mehr), sondern auch bei der Steuerung haben die Entwickler Anno wirklich klasse an die Wii angepasst. Im Gegensatz zum grottigen SimCity Creator ist hier die Steuerung rundum gelungen - und das glücklicherweise ohne Rumgefuchtel und irgendwelche Minispiele! Per Pointer könnt ihr wie mit dem Mauszeiger Gebäude oder Menüs anwählen und mit dem A-Knopf öffnen. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Wii jede Bewegung des Pointers sehr gut und ohne Verzögerung registriert, alles geht einfach und flüssig von der Hand. Und besonders das Baumenü ist exzellent gelungen: Ihr klickt auf den B-Knopf (Vorsicht: Pointer auf Gebäude + B = Gebäude kopieren) und sofort öffnet sich ein übersichtliches Ringmenü, in dem ihr nach den einzelnen Kategorien und Gliederungen Gebäude auswählen könnt. Danach könnt ihr das gewünschte Gebäude noch drehen und dann beliebig irgendwo hinpflanzen. Was die Steuerung per Pointer aber so einfach macht, ist die gelungene Kameraperspektive. Wenn ich da an SimCity Creator denke, wird mir gleich wieder schlecht: Bei einem viel zu kleinen, fast schon unsichtbaren Pointersymbol eines von gleichzeitig locker teilweise 40 Gebäuden auf dem Bildschirm auszuwählen ... egal. Anno: Erschaffe eine neue Welt hat die Steuerung optimal angepasst und ist damit eine Messlatte im Bereich der Strategiespiele an der Wii - und nicht nur bei der Steuerung ...

Bauen, Sammeln und Entwickeln
Nun kommen wir zum wichtigsten und umfangreichsten Teil des ganzen Tests: Dem Spielprinzip an sich. Und da gibt es in Anno: Erschaffe eine neue Welt ganz schön viel, von dem es sich zu berichten lohnt. Aber fangen wir mal ganz langsam an.
Wer schon einmal Anno am PC gespielt hat, der muss nicht mehr viel dazulernen. Ziel des Spiel ist es, große Siedlungen aufzubauen und die Bevölkerung mit allem nötigen zu versorgen, was sie zum Leben braucht. Allerdings ist das nicht ganz so einfach und simpel wie es zunächst klingt. Um ein Gebäude zu bauen, benötigt ihr Rohstoffe - entweder Holz, Stein, Gold oder Eisen. Die Rohstoffe selbst kriegt man natürlich nicht einfach so geschenkt und sie fallen auch nicht vom Himmel - man muss sie sich besorgen. Holz besorgt logischerweise der Holzfäller, der auch eine eigene Hütte benötigt. Steine werden im Steinbruch produziert, müssen aber erst vom Steinmetz in die richtige Form bearbeitet werden, damit man sie auch verwenden kann. Eisen bekommt man aus einer Erzmine und einer Erzschmelze, die das Eisenerz zu baufähigem Eisen verarbeitet. Und Gold? Gold bekommt man nur, indem man den Einwohnern kräftig Steuern aus der Tasche zieht. Allerdings sind diese nur dann zum Bezahlen gewillt, wenn sie auch mit allem Nötigen versorgt werden. Es gibt insgesamt fünf verschiedene Einwohnerstufen: Pioniere, Siedler, Bürger, Patrizier und Aristokraten. Jede dieser verschiedenen Gruppen stellt andere und zunehmend höhere Ansprüche: Während Pioniere nur Nahrung benötigen, wollen Siedler Milch und Kräuter haben. Die Bürger wollen dann Kleidung haben, die man auch erst über Umwege wie Hanfplantagen und Webstuben besorgen muss. Patrizier benötigen teure Gewürze. Ihr seht: Es steckt ganz schön viel drin in dem von außen so simpel erscheinenden Anno auf der Wii.
Und das war noch längst nicht alles! Schließlich kann man Getreidefelder, Gewürz- oder Hanfplantagen nur auf den Inseln errichten, die auch fruchtbar für den jeweiligen Rohstoff sind. Und auch Fischerhütten oder Minen können nur auf den dafür vorgesehenen Stellen errichtet werden. Um Gebäudebränden vorzusorgen, empfiehlt es sich eine Feuerwehr einzurichten. Und bis die Einwohner endlich auf die nächste Stufe der Gesellschaft aufsteigen, benötigen sie noch eine Kapelle oder eine Klosterschule oder ein Gasthaus oder eine Kirche oder dies oder das oder jenes - die Ansprüche der Bevölkerung sind relativ hoch. Aber letztlich ist man ja sowieso immer von ihnen abhängig, denn ohne Steuern kein Geld und ohne Geld keine funktionierende Siedlung. Es gibt insgesamt locker über 30 verschiedene Gebäude, von denen jedes einzelne letzten Endes wichtig ist, um die Siedlung so aufrechtzuerhalten wie sie ist.
Hat man zuviel oder zuwenig von einem Rohstoff, kann man auch über das Kontormenü Handel treiben. Leider ist dieser Handel ebenso wie das ganze Wirtschaftssystem in Anno sehr, sehr schnell durchschaut und bietet nur wenig Tiefe - kaufen ist total teuer und verkaufen bringt nur in Mengen etwas. Kurz: Handel zu treiben lohnt sich nur im absoluten Notfall oder wenn man zuviel von einem Rohstoff hat. Das Herzstück der ganzen Siedlung ist der Kontor oder das Markthaus. Von dort aus fahren die Marktkarren aus, um die fertigen Rohstoffe ins Lager zu bringen oder zu transportieren. Glücklicherweise lassen sich beide Gebäude, von denen ihr übrigens mehrere bauen könnt, in mehreren Stufen upgraden, sodass mehr Platz ist und mehr Karren fahren.







#1 | 13. Juni 2009 um 22:15 Uhr
#2 | 13. Juni 2009 um 23:11 Uhr
Aber auf jeden Fall schöne Review
Ich bevorzuge dann aber doch eher das Anno 1404 aufm PC
#3 | 14. Juni 2009 um 08:55 Uhr
eine Konsole ist dann für mich interessant, wenn ich schnellen, umgezwungenen Multiplayer-Spaß haben möchte, sei dieser nun bei Mario Kart, Mario Party oder auch anderen Spielen
wenn ich jedoch an Strategie denke, dann denke ich auch an Zeitaufwand, an genaue Planung und einen gewissen Ernst des Spieles
Zeitaufwand insofern, dass es nunmal eine gewisse Zeit braucht, bis eine "strategische" Entwicklung zu verzeichnen ist, und das kann ich mir bei einem Konsolen-Strategiespiel einfach nicht vorstellen
die Steuerung mag noch so präzise sein, ich denke dennoch nicht, dass schnelle und bei bestimmten Strategiespielen auch erforderlich schnellen Hand- und Klickbewegungen möglich sind, zumal ich die Sitzposition an einem PC für so etwas doch ansprechender finde
und mit der Optik und der Grafik kann ich das Spiel nicht ganz ernst nehmen
aber wie Tim geschrieben hat, richtet sich das Spiel wohl an die jüngeren Wii-Spieler
#4 | 14. Juni 2009 um 11:14 Uhr
und mit der Optik und der Grafik kann ich das Spiel nicht ganz ernst nehmen
aber wie Tim geschrieben hat, richtet sich das Spiel wohl an die jüngeren Wii-Spieler[/quote]
Hinter der kindischen Kulisse steckt aber immer noch ein klassisches Anno ... ist eben Konsolen- und Hardwarebedingt. Konsolenbedingt wegen Kinder-,Partykonsole und so ...
#5 | 29. Dezember 2009 um 20:38 Uhr