The Whispered World - Review

Auf den ersten Blick wirkt The Whispered World wie ein melancholisches, aber wunderschönes Adventure. Schaut man jedoch genauer hin, entdeckt man ein tiefgründiges Abenteuer, das den Spieler trotz seines treffenden Humors und teilweise enorm hohen Schwierigkeitsgrades atmosphärisch mit hineinzieht in eine handgezeichnete, sympathische Fantasywelt - ich habe Stunden und Tage in der geflüsterten Welt verbracht und mich mit Sadwick und Spot durch so manches Puzzle gerätselt und über so manchen Dialog gelacht. Trotzdem ist The Whispered World nicht perfekt.











Hachja. Was habe ich mich gefreut, als The Whispered World endlich in meinem Briefkasten und kurze Zeit darauf auch in meinem PC-Laufwerk lag. Monatelang habe ich auf genau diesen Moment gewartet, in dem ich die Verknüpfung auf dem Desktop doppelklicke, der Ladebildschirm erscheint und ich im Menü - moment. Drei Würfel? Unerwünschter Eindringling? Achja, der nervige Kopierschutz ... dem Spiel liegen neben dem Brettspiel "Droggel" auch noch drei mehreckige Würfel bei, auf deren Seiten seltsame Zeichen abgebildet sind. Nun werden diese drei Würfel auch auf dem Bildschirm abgebildet, auf irgendeiner Seite ist ein Fragezeichen und irgendwo zufallsgeneriert ein anderes Zeichen angegeben - nun darf ich suchen, um auf jedem Würfel das richtige Zeichen im richtigen Winkel an die Stelle des Fragezeichens zu setzen. Dabei gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten und die Zeichen ähneln sich teilweise so stark, dass ich gleich im ersten Versuch komplett gescheitert bin und das Spiel sich automatisch beendet hat. Doof. Und das doofste daran: diesen äußerst nervigen Kopierschutz darf man nach jedem Start des Spiels von vorne absolvieren, was nach einiger Zeit stark auf die Nerven geht.

Schließlich habe ich es aber doch geschafft, mich durch den Kopierschutz zu kämpfen und bin endlich im Menü angekommen. Schon hier sticht einem sofort die hübsche Grafik ins Auge: der Hintergrund ist so wunderschön gemalt, was man heutzutage leider nur noch sehr selten antrifft. Deswegen gleich an dieser Stelle ein riesiges Lob an Daedalic Entertainment für diese höchst aufwendige Liebe zum Detail! Später werde ich aber nochmal genauer darauf eingehen, und wie schön sich die gesamte Fantasywelt präsentiert.

Ich hasse die Welt und die Welt hasst mich



Ihr schlüpft als Spieler in die Rolle des stets deprimierten Clowns Sadwick, der sich selbst allerdings immer nur als "Schausteller" bezeichnet. Die anderen Personen, denen ihr im Spiel begegnet, verachten den armen Sadwick aber sowieso, auch aufgrund seiner schäbigen Kleidung und des kindischen Aussehens. Die Konsequenzen dieser Verachtung sind schon vorauszusehen: Sadwick nutzt jede Gesprächsmöglichkeit, um sich selbst fertigzumachen und redet sich und die ganze Welt in Grund und Boden schlecht. Aber ganz alleine ist der deprimierteste Clown der Welt dann doch nicht: seine treue, jederzeit doof grinsende Multifunktionsraupe Spot steht ihm immer zur Seite. Leider leidet Sadwick seit geraumer Zeit an schrecklichen Albträumen, die ihm voraussagen, dass er die Welt zerstören muss - ein weiterer Grund für den vollständigen Verlust seines Selbstvertrauens. Dooferweise erweisen sich diese Albträume bald als eine Vision, denn das seltsame Orakel Shana sagt ihm die Zerstörung der Welt voraus, die Sadwick mit seinen eigenen Händen erledigen muss. Eine schreckliche Prophezeiung! Klar, dass Sadwick alles daran setzt, die Welt vor dem Untergang durch seine eigenen Hände zu retten - was sich natürlich als äußerst schwierige Aufgabe erweist, nicht nur aufgrund Sadwicks chronischer Depression ...

Auf ihrem Weg zum Palast in Corona treffen Sadwick und Spot auf die merkwürdigsten und irrwitzigsten Gestalten, die komischer nicht hätten sein können und fast alle dasselbe Hobby haben: sich über den schäbigen Clown lustig zu machen. Zum Beispiel gibt es da die sprechenden Steinbrüder, die mich mit einem Spruch zum herzhaften Lachen bewegt haben:

Steinbrüder: "Nimm dein stinkendes Haustier weg!"
Sadwick: "Spot stinkt nicht!"
Steinbrüder: "Ich rede nicht mit dir, ich meine die Raupe!"

Genau solche Arten von Dialogen erwarten euch im gesamten, übrigens recht lange ausgefallenen Fantasy-Abenteuer. Dann gibt es da zum Beispiel noch den Chaski-Krieger Bobby, der Sadwick für viel zu primitiv und nutzlos hält, um ihm das Geheimnis um seine Mission mitzuteilen, sich selbst aber als den edelsten aller Edlen darstellt. Am besten gefällt mir persönlich aber das sich stetig zankende Zirkustrio, in dem Sadwick als Clown die dritte Rolle einnimmt. Sein Bruder Ben findet nichts lustiger, als Sadwick ständig fertigzumachen und ihm einzureden, wie unnütz er doch ist und wie toll es dagegen sei, so schön jonglieren zu können wie er selbst. In der Familie kann es sowieso nicht liegen, dass Sadwick depressiv ist: im Vergleich zu dem traurigen Clown ist sein Opa eine absolute Frohnatur. Zwar sitzt er den ganzen Tag herum, dafür hat er eine Menge durchgeknallter Geschichten auf Lager und ist dank seiner ständigen Verwechslungen eine Unterhaltung für den Spieler vor dem Bildschirm. Nicht nur, dass er Kompass mit Kompott und Kompost verwechselt, auch kocht er sehr gerne Petroleumsuppe und berichtet immer wieder über seine spektakulären Ereignisse mit seiner Hose, die schon um die halbe Welt gereist sein muss. Die minutenlangen Dialoge zwischen Sadwick und den anderen Person sind einfach nur klasse - zwar dauern sie ab und zu eine halbe Ewigkeit, regen dafür aber immer wieder zum Lachen an und sind herrlich sympathisch geschrieben.








Spielerische Schwächen vs. technische Qualität



Leider leidet ausgerechnet das Gameplay des optisch so herausragenden Adventures an einer gewissen Eintönigkeit, die das ganze Spiel letztlich schlechter wirken lässt es als eigentlich ist. Im Grunde verbringt ihr fast die komplette Spielzeit damit, herumzulaufen und auf gut Glück zu versuchen, Objekte miteinander zu verbinden, um irgendwann zwangsläufig auf die Lösung zu kommen. Ihr merkt es sicher schon heraus: nicht alle Lösungen sind logisch und ergeben sich auch nicht durch Nachdenken, sondern einfaches Ausprobieren. Dabei erweisen sich zwar die auf Knopfdruck angezeigten Hotspots als Hilfe, ansonsten seid ihr allein gelassen in eurem Krampf mit dem Raten. Wirkliche Puzzles, die nicht daraus bestehen, Objekte untereinander interagieren zu lassen, sind übrigens die Ausnahme - das Spiel lebt nicht von seiner Rätselqualität, sondern der hervorragenden Inszenierung und Präsentation. Zwar gibt es immer wieder ein paar leichte, entspannende und vor allem logische Momente, im Großen und Ganzen gibt es aber viel zu viel Trial & Error. Dazu kommt auch, dass die Steuerung nicht ganz so flüssig und angenehm von der Hand geht wie eigentlich von Point&Click-Adventures gewohnt: ihr müsst nach dem Anklicken erst eine kurze Zeit warten, bevor sich ein kleines Menü öffnet, in dem ihr zwischen den verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten wählen dürft. Immerhin erweist sich die Bedienung nicht als so umständlich wie in Tales of Monkey Island, weil sie nach einer gewissen Eingewöhnungszeit dann doch recht akzeptabel von der Hand geht. Die Multifunktionsraupe Spot, die sehr häufig elementarer Bestandteil der Rätsel ist, lässt sich wie ein Inventargegenstand einfach mit anderen Objekten verwenden. Das besondere an dem ständig treudoof grinsenden Viech ist aber, dass Spot sich in verschiedene Formen verwandeln kann, die es im Spielverlauf dazubekommt. Unter anderem kann Spot sich in gewissem Sinne "aufpumpen" und ist dann so schwer, dass er Objekte herunterbrechen kann, oder er entfackelt sich und kann als flammende Raupe Objekte niederbrennen.

Grafisch ist die spannende Reise durch die Fantasywelt dagegen eine der schönsten, die mir je untergekommen sind - die handgezeichneten Hintergründe und Figuren sind so wunderschön, dass einem grade warm ums Herz werden könnte. Das macht einen wunderbar stimmungsvollen Eindruck und trägt entscheidend zur durchweg melancholischen, aber auch packenden Atmosphäre bei. Genau dasselbe gilt der musikalischen Untermalung: durchgehend passend und einfach nur schön.

Zum Reinschnuppern ins Adventure gibt's hier die deutsche Demo!
Tim

Fazit von Tim:

Machen wir uns nichts vor: The Whispered World glänzt, ist aber nicht Gold. Das liegt an dem einfachen Grund, dass die Rätselqualität zugunsten der aufwendigen Präsentation in den Hintergrund gerückt ist. Für mich fehlt dem Spiel deswegen ein elementarer Part eines Adventures, obwohl man als Spieler durchaus gefordert ist. Aber wenn ein Großteil der Rätsel aus Rumlaufen und Ausprobieren besteht, weil man die Lösung einfach nicht erahnen kann, dann ist da meiner Meinung nach deutlich etwas schief gelaufen. Trotzdem solltet ihr dem Spiel nicht abgeneigt sein, weil es durchaus jede Menge richtig und vieles sogar großartig macht: das geht von der spannenden Story über den urkomischen Humor und die tolle Musikuntermalung bis hin zur durchgehend hervorragenden grafischen Qualität - handgemalt sieht einfach klasse aus! Wer ein fesselndes, umfangreiches und wunderbar unterhaltsames Abenteuer in einer sympathischen Märchenwelt sucht, findet hier ein richtig gutes Spiel, mit frustrierenden Passagen müsst ihr allerdings ebenso rechnen wie mit viel, sehr viel Trial & Error. Von mir gibt's trotz allem eine klare Empfehlung: allein schon wegen der unheimlich kreativen Inszenierung ist The Whispered World einen Blick oder sogar einen Kauf wert. Ich hatte Spaß in der geflüsterten Welt!

Besonders gut finde ich ...
  • spannende, interessante Geschichte
  • knackige Rätsel, ...
  • genialer Humor & klasse Dialoge
  • lange Spielzeit
  • wunderschöne Grafik
  • hübsche Hintergründe
  • kreative Figuren
  • tolle Musikuntermalung
  • so gut wie immer sehr gute Sprecher
  • Spot ist einfach cool!
Nicht so optimal ...
  • viel zu viel Trial&Error
  • ... die nicht immer logisch sind
  • häufiges Raten beinahe unvermeidlich
  • wenige Animationen
  • etwas unbequeme Steuerung
  • auf Dauer nerviger Kopierschutz

Tim hat The Whispered World auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Daedalic Entertainment zur Verfügung gestellt.

  •  
  • Entwickler:Daedalic Entertainment
  • Publisher:Daedalic Entertainment
  • Genre:Adventure
  • Plattform:PC, NDS
  • Release:28.08.2009

Kommentare-Kommentier-Show


Deine Meinung ist gefragt.

Name:*
E-Mail (wird nicht angezeigt):*
Eigene Homepage (optional):
Dein Kommentar:*
              
Antispam:*
 
Captcha