Red Faction: Guerrilla - Review
Mit Hammer und GeoMod - Red Faction im ohrenbetäubenden Abriss-Test
Revolutionen sind wieder voll im Trend. Nachdem vor knapp 50 Jahren ein gewisser Parker mit seinen Knarren den halben Mars in Schutt und Asche gelegt hat, setzt THQ nun den Spieler erneut an die Spitze der Red Faction und lässt im dritten Teil wortwörtlich keinen Stein auf dem anderen. Um herauszufinden, ob der Titel mehr bietet, als nur plumpe Zerstörungsorgien, habe ich mich als Alec Mason verkleidet, meinen Vorschlaghammer in die Hand genommen und bin auf den Mars geflogen, um der bösen EDF mal so richtig in den Hintern zu treten...
Fly me to the ... Mars
Hachja, ein Leben auf dem Mars ist schon toll. Man ist täglich acht Stunden beim Erzklopfen, geht danach schön mit den Kumpels einen trinken und haut sich dann mit 'ner drallen Schönheit in seinem luxuriösenm Domizil ins Bettchen. So ungefähr dürfte sich Alec Mason seine Zukunft vorgestellt haben, als er sich bei der EDF, der Earth Defense Force, als Bergbauingenieur für den Mars beworben hat. Doch die Realität sieht anders aus. Der Empfang ist ruppig und sein Bruder Daniel erklärt ihm nach einem Beinahe-Zusammenstoss mit einem EDF-Konvoi, wie die Realität auf dem Mars aussieht. Die EDF, die im ersten Red Faction noch zusammen mit der Titelgebenden Red Faction gegen die Ultor Corporation gekämpft und den Mars von ihr befreit hat, ist nun selbst vom Befreier zum Besatzer geworden und übt eine eiskalte Diktatur auf dem Mars aus. Die Regeln sind einfach - wer Ärger macht, wird erschossen.
Nach einem Ausflug mit seinem Bruder muss dies auch Alec erfahren. Bei der Suche nach Barschrott, welcher auf dem Mars als Tausch- und Währungsobjekt sehr wertvoll ist, werden die beiden von einem EDF-Späher entdeckt. Daniel wird auf der Stelle erschossen während Alec stürzt, Bekanntschaft mit einem Stahlrohr macht und ohnmächtig wird. Als er zu sich kommt, findet er neben der Leiche seines Bruders nur seinen Vorschlaghammer, welchen er gleich an sich nimmt. Vor seinem Wohnklotz wartet schon die EDF, welche Alec auf der Stelle in Gewahrsam nehmen möchte, doch Angehörige der Red Faction, zu der Alecs Bruder ebenfalls gehörte, retten den Neuankömmling, welcher sich diesen nun im Kampf gegen die EDF anschließt. Die Revolution beginnt.
Übrigens - wer die Story genau wissen möchte, kann die ersten 10 Minuten bei uns in voller Länge betrachten. Dieses Storybröckchen ist natürlich nur Nebensache und kommt selten über Klischeebehalfterte B-Movie Geschichten hinaus - was aber durchaus seinen Charme hat. Im Fokus des Spieles steht die überarbeite GeoMod 2.0 Engine, die es erlaubt, sämtliche Objekte im Spiel in kleinste Stücke zu hacken. Böse gesagt ist Red Faction: Guerilla eigentlich nur eine TechDemo mit einem Hauch Story - ähnlich wie Crysis. Doch Red Faction: Guerilla kann dennoch begeistern, was nicht zuletzt an der Spielwelt und den gebotenen Möglichkeiten liegt.
Mission to Mars - Oder: Wenn die Story zweimal klingeln muss
Auf dem Mars angekommen, ist euer Ziel klar. Ihr müsst die sechs besetzen Gebiete von der EDF befreien, die übrigens von Beginn an frei begehbar sind. Nur werden die EDF mit zunehmend wichtigerem Gebiet auch aggressiver, was den Abzugsfinger angeht. Daher solltet ihr die Befreiung lieber Stück für Stück angehen. Dies könnt ihr auf verschiedenen Wegen tun. Jedes Gebiet beinhaltet Hauptmissionen und Nebenmissionen, sowie zusätzliche Auftragsziele. Durch erfolgreiches Beenden einer Mission gewinnt die Bevölkerung an Moral und die EDF verliert an Einfluss. Je mehr Moral und damit auch Zuspruch ihr in der Bevölkerung sammelt, desto einfacher wird für euch das Erfüllen der Missionen. Bei hoher Moral sind die versteckten Waffenkisten besser gefüllt, bei Überfällen auf EDF-Basen bekommt ihr mehr spontane Unterstützung von der Bevölkerung und Guerilla-Kämpfern, die euch Feuerschutz und Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Übrigens sind sämtliche Fahrzeuge in der Spielwelt benutzbar.
Das schließt auch sogenannte Walker mit ein. Das sind kleine Mechs, die nicht nur unglaublich viel aushalten, sondern auch durch ganze Gebäudefronten marschieren, als wären sie aus Pappe - ein Heidenspaß. Vor allem die Walker mit integriertem Jetpack für kleinere Flugeinlagen sind eine Freude. Heureka! Wer keine Lust auf Missionen hat, zieht einfach durch das Land und stiftet in den EDF-Basen Unruhen. Dabei gibt es einige Basen, die eine höhere Wichtigkeit haben, wie andere. Diese sind zwar auch folglich besser bewacht, doch das Niederreißen dieser Stützpunkte macht euch beim Volk extrem beliebt - und senkt wie erwähnt drastisch den Gebietseinfluss der EDF. Doch Vorsicht ist geboten.
Wenn ihr der EDF zu sehr auf die Klötze geht, drehen die den Spieß um und überfallen Zivilisten- und Red Faction-Basen und legen diese in Schutt und Asche. Dann heißt es handeln und den Leuten helfen. Dieses simulierte Gefühl einer offenen, lebendigen Welt kann durchaus für "stimmig" empfunden werden. Dazu tragen auch die umherfahrenden und -laufenden Zivilisten bei, die EDF-Patroullien und das allgemeine Treiben auf dem Mars. Natürlich reicht es in seiner Einfachheit niemals an die "Echtheit" eines GTA IV heran, aber wie gesagt - es erfüllt durchaus seinen Zweck.
Ich muss zerstöööören
Doch die Missionen und Spielwelt bilden wie erwähnt nur ein Gerüst, welches als Stütze für die GeoMod 2.0 Engine dient. Das Hauptaugenmerk von Red Faction liegt in der brachialen Zerstörungsorgie, die einfach neue Maßstäbe setzt. Jedes noch zu große oder kleine Gebäude, Auto, Schießmichtot lässt sich in handliche Stücke hacken. Egal ob Minen (Bumm!), Vorschlaghammer (Bämm!), einer Singularitätsbombe (Alterhastdudasgesehen!?) oder einfach mit einem Truck (Wrumm!), der durch die Wände rast - der Spaßfaktor bei solchen Aktion ist immens hoch und in diesem Umfang noch nie vorher in einem Spiel gewesen. Entwickler versprechen euch teilweise zerstörbare Umgebungen? Ha! Spielt erstmal Red Faction: Guerilla - dann reden wir weiter.
Nehmen wir doch einfach mal die Singularitätsbombe. Diese erzeugt einige Sekunden nach dem Platzieren eine Quantensingularität, die den Raum krümmt und danach mit einer sofortigen Ausdehnung maximale, destruktive Aktivitäten weilen lässt. Hö? Was? Also - das Ding erzeugt eine Art schwarzes Loch, was alles in seiner Umgebung darin einsaugt und am Ende in einem Knall alles umherschleudert. Noch kürzer gefasst - wo vorher mal was war, ist danach nichts mehr. Sieht nicht nur geil aus, sondern macht auch unglaublich viel Spaß.
Natürlich hat diese Zerstörungsorgie auch ihren Preis. So sind die Marsumgebungen und Texturen eher schlicht, wenn nicht gar matschig und auch die Details in der Umgebung sind an einer Hand abzulesen. Ok, scheinbar wurde auch an der KI gespart, die zwar ab und an kleinere taktische Manöver durchführt, aber ansonsten auch gern mal an Trümmerteilen scheitert. Auch passiert es hin und wieder, dass ihr von kleinsten Trümmerteilen getroffen werdet, die zum plötzlichen Tot führen, da sie euch wegen merkwürdiger Physikausraster in den Boden stampfen.
Das macht aber gar nichts - denn Red Faction: Guerilla fährt erst dann zu Höchstformen auf, wenn in bester B-Movie-Manier alles knallt, explodiert, brennt und stirbt. Genau das ist es auch, was das Spiel momentan fast zu einem kleinen Spielejuwel macht. Kein pseudo-gegrusel, kein stumpfes Geballer ohne Substanz - einfach nur pure Unterhaltung in seiner reinsten Form. Eine Sandkastenwelt mit der Option, einfach mal die Sau rauszulassen. Und genau das macht Red Faction: Guerilla zu meinem bisherigen Überraschungstitel des Jahres. Wisst ihr übrigens wie toll es ist, im gelungenen Multiplayer dem blöden Camper auf dem Schornstein das Teil unter seinem Hintern wegzusprengen? Nicht? Dann solltet ihr entweder sofort Red Faction: Guerilla kaufen, die Demo zocken oder bequem unseren Democheck anschauen.
Noch eine Info zur deutschen Version: Diese hat in der Tat einige Schnitte abbekommen, welche allerdings kaum von Belangen sind. Die erste Änderung betrifft die Zivilisten im Spiel. Wenn ihr in der deutschen Version absichtlich eure eigenen Leute abknallt, ballern diese nun einige Zeit lang zurück. Doch keine Angst - wenn euch ein paar Leute vor die Flinte springen, müsst ihr nicht gleich mit Gegenwehr rechnen. Erst, wenn ihr gezielt mehrere Zivilisten umlegt, fangen diese an, sich zu wehren.
Zwei weitere Änderungen betreffen die Haftminen, welche nun nicht mehr an Gegner geklebt werden können, sowie die Sägeblätter, die in der deutschen Version durch die Gegner hindurchfliegen und nicht mehr stecken bleiben. Das wars. Blut gibt es in beiden Versionen, welches sich aber auch in der Originalversion in Grenzen hält. Ein Import ist daher aus meinen Augen nicht unbedingt notwendig.
Fazit von Philipp:
Hachja, was war ich zu Beginn skeptisch mit Red Faction: Guerilla. Seit dem verkorksten zweiten Teil war ich froh, nie mehr was von der Red Faction zu hören. Dann kam die Ankündigung für einen dritten Teil, der auch noch Third-Person sein sollte. Ohje. Auf den Präsentationen bei der GamesConvention 2008 hat man dann, ähnlich wie in den ganze Videos, nichts gesehen außer: "So geht das kaputt" und "Damit kann man das so zerstören". Als dann die Multiplayer-Beta kam, wusste ich: Finger weg! Doch ich gab dem Spiel mit der Singleplayer-Demo noch eine Chance und siehe da: Red Faction: Guerilla rockt. Zerstörungsorgien nett verpackt in relativ abwechslungsreiche Missionen, spannende Gefechte, eine authentische und lebendig wirkende Spielwelt. Dies hat zur Folge, dass Red Faction: Guerilla im Prinzip nie langweilig wird, denn irgendwie gibt es immer irgendwo etwas zu tun. Barschrott sammeln, Waffen freischalten, Gebäude zerstören, EDF in den Arsch treten, Gefangene befreien, Zeitrennen fahren, ... Natürlich sind sie alle irgendwie mit der GeoMod 2.0 Engine verbunden, weshalb immer irgendwie etwas in die Luft fliegt. Doch was so unglaublich viel Spaß macht, kann doch nicht schlecht sein ... oder?
Red Faction: Guerilla vergleicht man am Besten mit dem Film Demolition Man: null Hirn, kaum Story aber dafür einhundert Prozent Action und mutwillige Zerstörung. Wer hier mehr erwartet, wird 'nur' einen soliden Shooter mit 08/15 Rache-Story bekommen. Spieler, die in einer tollen Sandkastenwelt einfach mal die Sau rauslassen wollen, haben hier aber definitiv einen Pflichtkauf vor sich.
- Tolles "Open-World" Feeling
- Motivierende Zerstörungsorgien
- Abwechslungsreiche Missionen
- Hoher Krachbummenten-Faktor
- Authentische Spielwelt
- Gute deutsche Synchro
- ZERSTÖRUNGEN!
- Viele Waffen und Fahrzeuge
- Dank Zerstörungsfeature erfrischendes Multiplayergefühl
- Schwache Story
- Popups und Framerate-Einbrüche
- Komische Physikaussetzer
- Ladezeiten etwas lang
Philipp hat Red Faction: Guerrilla auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von THQ zur Verfügung gestellt.
Fazit von Darius:
Den Einstieg ins Spiel fand ich ganz nett (siehe Einstiegsstory-Video) und auch zu Beginn macht es mächtig Spaß einfach mal alles platt zu machen und der GeoMOD-Engine bei der Arbeit zuzusehen. Eine schöne große Karte mit unterschiedlichen Gebieten und freier Missionswahl können mich aber auf Dauer wenig begeistern, denn, auch wenn wir auf dem Mars sind, ist das Umgebungsdesign der Levels genauso eintönig wie das Gameplay und die Missionen selbst. Plattmachen, Plattmachen, Plattmachen und ab und zu noch etwas Kaputtmachen ist auf Dauer nicht wirklich erquickend, auch wenn es noch so schön ausschaut. Dank jeder Menge Fahrzeuge kann man mit Hilfe derer auch einfach auf dem Mars rumheizen und - natürlich - auch damit alles plattfahren. Hm.
- Große Spielkarte & Open-World
- Nahezu alles zerstör- & zerlegbar
- Alle Fahrzeuge nutzbar
- Lebendige Welt
- Wenig Substanz & Story
- Eintöniges Umgebungs-, Missions
- und Gameplaydesign
- Lade/Speicherzeiten, besonders schlimm wenn man eine Mission vergeigt hat
Darius hat Red Faction: Guerrilla auf der PlayStation 3 gespielt.



















#1 | 13. Juni 2009 um 22:09 Uhr
#2 | 14. Juni 2009 um 18:54 Uhr
Und als dann noch die Multiplayer Demo kam war es aus bei mir und das Spiel wurde vom Einkaufszettel gestrichen.
Vielleicht landet es nochmal drauf wenn das Spiel um die 20 Euro kostet, denn 50 Euro und mehr ist mir das Spiel nicht wert.