Batman: Arkham Asylum - Review

Wenn Filme oder Bücher in Lizenzspielen verwurstet werden, sollten Zocker einen weiten Bogen um das Ergebnis machen. Oft geht es den Entwicklern nur ums schnelle Geld und was dabei herauskommt, enttäuscht bisweilen sogar Hardcorefans. Nun flattert mit Batman: Arkham Aslyum eine weitere Filmumsetzung ins Software-Regal. Moment mal: Filmumsetzung? Heath Ledger sieht doch ganz anders aus! Glücklicherweise hat sich Entwickler rocksteady an den alten Comics orientiert und mit Paul Dini einen fähigen Schreiberling engagiert, das Ergebnis lässt die Herzen von Gamern und Comic-Fans gleichermaßen höher schlagen…





















Der Joker ist gefangen, Batman eskortiert den dauergrinsenden Bösewicht in das Irrenhaus von Gotham City: Arkham Asylum. Während Commissioner Gordon sich über die Ankunft des neuen Insassen freut, wundert sich Batman darüber, wie einfach es war, den Joker einzuliefern. Und prompt: Mit der Hilfe von Verbündeten auf der Insel, allen voran Harley Quinn, gelingt dem Clown die Übernahme der Anstalt. Ums Ausbrechen geht’s dem prächtig gelaunten Bösewicht aber gar nicht: Er ist an einer Chemikalie interessiert, die in Arkham entwickelt wurde. Klar, dass Batman sich das Ganze nicht untätig anschaut – er nimmt die Verfolgung auf.

Let’s get this party started!



So beginnt das Abenteuer, was folgt, ist ein spielbares Tutorial, in dem ihr mit der Steuerung und den ersten Fähigkeiten von Batman vertraut gemacht werdet. An vielen Stellen ist die Steuerung kontextsensitiv und euch werden die Möglichkeiten auf dem Bildschirm eingeblendet. Hat sich Batman beispielsweise mit dem Enterhaken auf einen der vielen Wasserspeier gesetzt, kann er nun ganz Sam Fisher-like lässig herumhängen (und zwar wortwörtlich) und warten bis ein Gegner unter ihm vorbeigeht, um ihn dann auf Knopfdruck blitzschnell und unbemerkt auszuschalten. Blöd, dass der Junge danach nicht die Klappe halten kann und schreiend seine Kollegen anlockt, wir springen mal lieber mit der Hilfe unseres Haken weiter zum nächsten Wasserspeier um uns die Szene aus einer sicheren Entfernung anzuschauen.

Gerade bei bewaffneten Gegnern sollte Batman die direkte Konfrontation vermeiden. So gut der Mann mit dem breiten Kreuz und dicken Armen, die bei anderen Männern Oberschenkel sein könnten, auch austeilt: gegen Schusswaffen ist die Panzerung nicht immun, nach wenigen Treffern ist Batman Geschichte – und ihr dürft am letzten Speicherpunkt einsteigen. Die Checkpoints sind zwar fair gesetzt, um am Leben zu bleiben, heißt die Devise aber: Schleichen. Zumindest wenn die bewaffneten Gegner in der Überzahl sind.

Um zu erkennen ob die Schurken ein Gewehr oder doch nur einen Schlagstock haben, reicht ein Tastendruck. Im Detektivmodus könnt ihr jederzeit die Umgebung analysieren lassen. Normale Gegner werden dabei als blaue, bewaffnete als rote Skelette angezeigt, auch durch Wände hindurch kann Batman so sein Umfeld analysieren. Zudem werden Informationen über den Zustand von Jokers Schergen eingeblendet: Wenn ihr in einem Raum langsam aber unbemerkt die Gegner ausschaltet, werden die Verbleibenden zunächst ängstlich und schließlich panisch. Da kann es passieren, dass ein eben noch selbstsicher umherlaufender Vin Diesel-Klon mit Clowns-Schminke auf einmal in eine dunkle Ecke schießt, weil er glaubt, dort habe sich etwas bewegt.

Mein Name ist Wayne, Bruce Wayne…



Fast wie James Bond fühlt man sich mit den zahlreichen Gadgets, die Batman im Laufe des Spiels bekommt und deren Fähigkeiten sich durch Upgrades erweitern lassen. So gibt’s den Batarang zwar schon von Anfang an, wer genug Punkte gesammelt hat, kann den Bumerang aber auch manuell steuern oder mehrere Gegner hintereinander ins Land der Träume schicken. Später bekommt Batman auch Zugang zu Sprengstoff und einem Enterhaken, mit dem sich auch Gegner durch die Gegend (und über Zäune an Abgründen) ziehen lassen. Verschlossene "Türen" stellen für Batman mit den passenden Tools auch kein Hindernis mehr dar: Mit dem "kryptographischen Sequenzer" lässt sich die Elektrik der Kartenlesegeräte zerstören – dazu müssen in einer kurzen Sequenz die beiden Analogsticks in die richtige Richtung bewegt werden.

Neben dem Batmobil hat übrigens noch ein weiteres "Gefährt" einen Auftritt im Spiel. Oder sollte ich lieber "Fluggleiter" sagen…

Rätselspass mit dem Riddler



Wenn Batman nicht gerade prügelt, gleitet oder schleicht, löst er Rätsel, die ihm ein gut gelaunter Riddler in jedem Bereich des Anstaltsgeländes stellt. Darunter sind kniffelige Wortspiele, die der Spieler erstmal verstehen und sich dann nach einem passenden Levelobjekt umschauen muss, welches er anschließend "einscannt" um das Rätsel zu lösen.

So tritt zwar Catwoman nicht als Gegner im Spiel auf, aufmerksame Besucher der Anstalt finden aber Teile ihres Kostüms in einem Glaskasten. Andere Rätsel bestehen in dem einfachen Finden von Trophäen, die in den Levels versteckt sind oder dem Zerstören von aufziehbaren Gebissen, die durch die Gänge wuseln. Richtig schwer sind die Fragezeichen, die in den Levels versteckt sind: Nur am richtigen Standort und in der korrekten Kameraperspektive ergeben sich aus Levelobjekten an bestimmten Stellen vollständige Fragezeichen, hier hilft der Detektivmodus und die Rätsel-Karte. Die zeigt in jedem Abschnitt wo sich ungefähr die Lösungen der Rätsel bzw. die Trophäen befinden.

Sehr schön: Wer nicht alle Rätsel während der Story findet, hat auch nach dem Abspann noch die Möglichkeit über die Insel zu laufen und die verbliebenen Aufgaben zu lösen. Das Lösen der Aufgaben ist übrigens nicht nur eine nette Dreingabe, sondern motiviert zusätzlich, weil Biographien und/oder 3D-Modelle von Charakteren freigeschaltet werden. Auch die Räume für den Challenge-Mode muss man sich erst erknobeln.

Gelungene Anstaltsatmosphäre und filmreife Präsentation



Gleich beim Intro, in dem man in einigen Abschnitten die Kontrolle über Batman übernimmt, zeigt sich die wirklich großartige Atmosphäre, die beim detailverliebten Leveldesign beginnt und bei den Sprechern und der Musik noch lange nicht aufhört. An jeder Ecke wird deutlich, dass die Entwickler große Fans der Comics sind und sehr viel Zeit und Herzblut in die Gestaltung der Anstalt und ganz besonders der Charaktere gesteckt haben. Angetrieben wird das Spiel übrigens von der Unreal Engine 3. Sehr schön: Das für die Engine übliche, langsame Texturnachladen, hält sich bei Batman: Arkham Asylum in sehr erträglichen Grenzen.

Liebhaber von schicken Zwischensequenzen kommen auch voll auf ihre Kosten: An einigen Stellen gönnt einem das Spiel eine kurze Actionpause und verwöhnt mit sehr schön geschnittenen und hervorragend vertonten Sequenzen, die die Geschichte vorantreiben. In den kurzen Filmchen sieht die Grafik noch einen Tick besser aus als im eigentlichen Spiel, da hier noch stärker mit Kinoeffekten wie Tiefenunschärfe gearbeitet wird.

Der Joker ist nicht allein…



Natürlich ist der Joker nicht der einzige Bösewicht, den Batman bei seinem Anstaltsbesuch trifft. Der Clown mit der markanten Lache hat einige Freunde auf der Insel, die ebenfalls noch ein Hühnchen mit Batman zu rupfen haben. Unter anderem trifft der dunkle Ritter auf Bane, die wunderschöne Poison Ivy, die Batman wortwörtlich umgarnt und das Sackgesicht Scarecrow. Letzterer beschert uns mit seinem Gas übrigens wunderbar surreale Abschnitte, die eine willkommene Abwechslung zum Irrenhausalltag darstellen.

Viele weitere bekannte Gesichter bekommen Fans in den freischaltbaren Biographien zu sehen – die jeweils freigeschaltet werden, wenn man das zugehörige Rätsel gelöst hat. So hat zum Beispiel der Ratcatcher sein Werkzeug in einem Lüftungsschacht vergessen, ihr findet den Schirm von Pinguin und werdet eindeutig die Zelle vom Calendar Man erkennen.

Einen Multiplayermodus gibt es nicht, dafür könnt ihr euch in den Callenge-Räumen mit euren Freunden messen und eure Highscores online vergleichen. Exklusiv auf der Playstation 3 habt ihr die Möglichkeit den Joker in Challenge-Levels zu spielen, ansonsten gibt es auch technisch keine Versionsunterschiede. Doch wo Licht, da auch Schatten: Minimale Mängel hat das Spiel leider auch. So gibt es stellenweise matschige Texturen und an wenigen Stellen zickt auch die Kamera rum. Auch ist die englische Synchro noch mal deutlich besser als die deutsche. Da das Spiel multilingual ist, sollte jeder mit Englischkenntnissen Mark Hamill als Joker genießen.

Fazit von DerBene:

Nach dem großen Erfolg der neusten Batman-Filme hab ich bei der Ankündigung eines Batman-Spiels schon mit dem größten Lizenzmurks gerechnet. Zum Glück sind in diesem Fall derartige Befürchtungen absolut unnötig: Batman: Arkham Asylum ist ein wirklich großartiges Actionspiel geworden. Vielleicht gerade weil sich die Entwickler nicht an eine Filmumsetzung gewagt haben, sondern die schrägen Comicfiguren wunderschön überzeichnet darstellen und das ganze in eine durchdachte Story packen. Die ausgereifte Steuerung und die vielen Gadgets sorgen gemeinsam mit der tadellosen Technik dafür, dass ich mich als Spieler wirklich wie Batman fühle. Die Scarecrow-Abschnitte gehören zudem zu den wirklich abgefahrensten und intensivsten Spieleabschnitten überhaupt. Hier fühlt man sich wirklich wie ein Irrer in der Anstalt. Großartiges Actionskino zum Mitspielen also - ein Pflichtkauf für Fans von Action-Adventures und natürlich Comic-Leser.

Besonders gut finde ich ...
  • technisch erstklassig ...
  • abwechslungsreiche Level ...
  • gelungene Synchronisation ...
  • tolle Atmosphäre
  • passende Musik
  • faire Checkpoints
  • Spielzeit von etwa 15-20 Stunden
  • Scarecrow-Levels
Nicht so optimal ...
  • ... nur ab und zu Matschtexturen
  • ... aber stellenweise Backtracking
  • ... die auf deutsch minimal schwächelt
  • Klon-Gegner

DerBene hat Batman: Arkham Asylum auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Eidos zur Verfügung gestellt.


Darius

Fazit von Darius:

"Believe the hype". Auch wenn Batman Arkham Asylum im Vorfeld durch die Gamelandschaft gehyped wurde und einige Terminverschiebungen hinnehmen musste - das was einem hier präsentiert wird, kann wirklich auf ganzer Linie überzeugen. Filmreife Story mit jeder Menge Zwischensequenzen die euch perfekt insziniert durch die Irrenanstalt und das Batman-Universum bringt. Abwechslungsreiches Gameplay, die guten alten Batman-Gadgets, das gewisse "Etwas" das einen anfixt immer zu weiter zu spielen und nicht zuletzt die auch in der deutschen Version gut gelungene Synchronisation liefern ein würdiges Batman-Game ab, das nicht im Sumpf unzähliger anderer Lizenzgame-Schanden versinken muss.

Von Anfang bis Ende macht Batman mächtig Fun, so dass selbst ich den XBOX-Controller stundenlang malträtiert habe um Joker's Scherken zu zeigen wer hier der Dunkle Ritter ist. Wenn ich mir das Ganze nun noch in höheren Auflösungen und PhysX-Effekten auf dem PC vorstelle, ggf. in 3D ...! GZ RockSteady!

Besonders gut finde ich ...
  • Story & Zwischensequenzen
  • Gameplay & Spielspaß pur
  • Perfekt insziniertes Gesamtpaket
  • Faire Checkpointsaves auch im Bosskampf
Nicht so optimal ...
  • Hab nix auszusetzen :)

Darius hat Batman: Arkham Asylum auf der Xbox 360 gespielt.


Tim

Fazit von Tim:

Schon das ganze Jahr über habe ich mich auf Batman: Arkham Asylum gefreut - die Trailer, Screenshots und das ganze Drumrumgerede rund um das große virtuelle Comeback des schwarzen Rächers versprachen eigentlich das Unmögliche. So toll, wie das Spiel dargestellt wurde, konnte ich es mir überhaupt nicht vorstellen. Man stelle sich mal vor: eine Comic-Umsetzung mit einem Superhelden in der Hauptrolle! Ganz im Gegensatz zu meinen Erwartungen ist Batman: Arkham Asylum allerdings keine zufriedenstellende Lizenzversoftung geworden, sondern ein richtig, richtig großes Spiel - für mich DAS Spiel des Sommers überhaupt.

Und damit zolle ich den rocksteady Studios auch riesigen Respekt, denn ein so grandioses Spiel ist mir seit Ewigkeiten nicht mehr untergekommen. Man hat es nicht nur geschafft, sämtliche Charaktere rund um das Batman-Universum authentisch und lebendig rüberzubringen, man hat sogar ein Arkham Asylum designt, das meiner Meinung nach sogar das bereits großartige Rapture in den Schatten stellt. Damit meine ich nicht nur das gelungene Leveldesign, sondern vor allem die Art und Weise, wie man Gotham Citys Irrenanstalt in Szene setzt: erschreckend düster, verstörend und vor allem richtig stimmungsvoll. Man kann sich richtig vorstellen, wie der Joker & seine Kollegen ihre Zeit in den dunklen Zellen der Anstalt verbringen. Und genauso atmosphärisch wie das Arkham sich präsentiert, genauso hat rocksteady auch den Rest des Spiels inszeniert: die flüssig-lockeren Prügeleien mit den ansehnlichen Bourne-Takedowns, das vorsichtige und geplante Sam-Fisher-Schleichen und hinterhältige Ausschalten der Insassen, die gewieften, kniffligen Riddler-Rätsel und vor allem die enorm intensiven Scarecrow-Levels, alles zusammen ergibt im Gesamtpaket mit Batmans wuchtigem Ebenbild, der überragenden grafischen und akustischen Qualität und der von vorne bis hinten spannenden Story einen Atmosphäre-Overkill in Perfektion. Kritik habe ich überhaupt keine, lediglich ein paar Macken im Detail. Und dank einer gigantischen Datenbank rund um die Batman-Geschichten, der netten Challenge-Modi und dem bald erscheinenden DLC wird Batman: Arkham Asylum auch in Zukunft noch häufiger in meinem Xbox 360 Laufwerk rotieren. Kurz gesagt: wer diesen einzigartigen Trip ins Arkham nicht bucht, hat eines der besten Spiele des Jahres verpasst.

Besonders gut finde ich ...
  • packende, filmreife Atmosphäre
  • exzellent designtes Arkham
  • tolle Mischung aus Schleichen ...
  • ... und brachialen, lässigen Prügeleien
  • lebendig wirkende Charaktere
  • sehr spannende Geschichte
  • unfassbar große Batman-Datenbank
  • fantasievolles Leveldesign, coole Rätsel
  • interessante, aufregende Bosskämpfe
  • tolle Grafik, gelungene Technik
  • sehr gute Sprachausgabe (englisch!)
  • intensive Scarecrow-Levels
Nicht so optimal ...
  • mitunter etwas monoton
  • wenige Clippingfehler

Tim hat Batman: Arkham Asylum auf der Xbox 360 gespielt.

Batman: Arkham Asylum - Boxart
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  • Entwickler:Rocksteady Studios
  • Publisher:Eidos
  • Genre:Action-Adventure
  • Plattform:PC, PS3, Xbox360
  • Release:28.08.2009

Kommentare & Likes

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  • Tim
    #1 | 7. September 2009 um 21:27 Uhr
    Sehr schöne Review zu einem genialen Spiel   
    Werde morgen dann auch mein Fazit druntersetzen ...   
  • Placebo
    #2 | 8. September 2009 um 01:31 Uhr
    hmm, wie lange ist das Spiel. Wollte es mir kaufen aber es sollte schon länger als 1 Abend an den Rechner fesseln.

    Gruß Placebo
  • Philipp
    #3 | 8. September 2009 um 06:59 Uhr
    Siehe "Pro"-Punkt von Bene: + Spielzeit von etwa 15-20 Stunden ... und so wie ich das mitbekommen hab, ist der werte Kollege schon dauerhaft dran gesessen  
  • DerBene
    #4 | 8. September 2009 um 20:57 Uhr
    @ Placebo: Das Spiel wird dich mit Sicherheit mehrere Abend prächtig unterhalten - und selbst nach einmaligem Durchspielen kann der Challenge-Modus noch motivieren. Ich hab für das Spiel etwa eine Woche gebraucht und hab immer abends ein paar Stunden gezockt - mal länger mal kürzer. Wer das Spiel genießt, kann noch länger Zeit im Irrenhaus verbringen   

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