Machinarium - Review
Kleiner Roboter, ganz groß! Indie Point'n'Click vom anderen Stern
Wie man zuletzt an Trine gesehen hat, gibt es sie noch. Diese Games mit dem gewissen Etwas, die die leicht angegraute Gamerschaft in der guten alten Zeit schwelgen lässt, die doch damals scheinbar nur mit solchen Perlen gesegnet war und wo die Entwickler alle noch "Indie" waren. Bei allem Respekt zu Uncharted 2 sowie Brütal Legend & Borderlands - denen ich mich auch noch widmen werde - im Rocktober hat eben auch Machinarium seinen Releaseplatz gefunden und das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Warum es durch und durch überzeugt und auch ihr ein Auge drauf werfen solltet, lest ihr in meiner Review ...
Mit Machinarium erwartet euch ein Point'n'Click Adventure der besonderen Art. Bereits vor Monaten haben die ersten Gametrailer für einiges an Aufsehen gesorgt, nicht nur hier, sondern auch da und dort. Wenn selbst der Community Manager von Infinity Ward, also Robert Bowling, über Twitter verkündet: "Point&Click adventure geeks have a new darling. Just bought this amazing new indie game. Steampunk + Handdrawn art!" ...
I'm Robot. I'm Josef.
Das Abenteuer beginnt auf einem Metallschrottplatz, auf dem uns ein seltsames Fluggerät unsanft ablädt und wir mit unserem Protagonisten - dem Roboter Josef - erstmal damit beschäftigt sind unsere Einzelteile wieder zusammen zu setzen. Schon hier fällt eines auf - unheimlich detailreiche Grafik, malerische, handgezeichnete Hintergründe. Warum Josef hier gelandet ist, das gilt es auf unserer Reise herauszufinden - eines ist klar, er muss wieder zurück zur Hauptstadt, nach Machinarium. Nicht nur, um den Dingen auf den Grund zu gehen, sondern auch um seine kleine Roboter-Dame wiederzufinden.
Das Spiel ist komplett in Flash gehalten und bietet wirkliches Retro Point'n'Click Feeling, denn alles lässt sich prima mit der Maus bedienen ohne dabei noch extra die Tastatur mit einzubinden, wie zum Beispiel bei Tales of Monkey Island. Kann man in der Nähe befindliche Objekte greifen oder mit ihnen interagieren, verwandelt sich der Mauszeiger in eine Hand, Höhenunterschiede werden mit einem einfachen Pfeil-Hoch- oder Pfeil-Runter-Zeiger verdeutlicht. Josef selbst kann man dank seiner hydraulischen Ganzkörpertechnologie bis zu einem gewissen Grad in die Länge ziehen - um so zum Beispiel an Objekte oder Bereiche zu gelangen, die etwas höher angesiedelt sind, oder ihn auch auf eine nahezu Cola-Dosen ähnliche Größe schrumpfen lassen. Das Inventar klappt automatisch am oberen Bildschirmrand auf, wenn ihr mit der Maus drüberfahrt und die einzelnen Objekte lassen sich recht einfach zusammenbauen, sofern dies möglich ist. Alles ziemlich komfortabel & praktisch.


Rätsel, Minispiele & Sprechblasen
Die Entwickler setzen bei Machinarium komplett auf den visuellen Effekt, natürlich bekommt ihr auch einen erstklassigen Soundtrack und entsprechende Musikuntermalung in allen Leveln präsentiert, die Charaktere selbst agieren hierbei allerdings eher stumm. Das schöne dabei ist, dass es sehr gut funktioniert. In Sprech- und Gedankenblasen werden die Passagen, die sonst vertont oder mit langen Textdialogen daherkommen, wunderbar umgesetzt und geben dem Spiel damit einen gewissen Charme. Auch das Hilfesystem ist ähnlich angelegt. Sofern ihr es benötigt, klappt auch dieses am oberen Bildschirmrand auf und bietet euch zwei Möglichkeiten. Zum einen ein in eine Gedankenblase gehüllter Quicktipp, der euch anhand einer Szenenzeichnung den ungefähren Weg bzw. das Ziel des aktuellen Abschnitts aufzeigt. Daneben gibt es auch eine, sagen wir mal "Komplettlösung" für die man jedoch in ein kleines Minispiel auf seinem "Roboter-Handhelden" eintauchen muss. Hat man dieses gemeistert, präsentiert sich eine Doppelbuchseite mit Notizen in "Machinarium'isch" und dazugehörigen Zeichnungen, die einem so noch ein ganzes Stück näher ans Ziel bringen sollen. Ich selbst hab diese Option zweimal genutzt - nur damit ich euch zeigen kann, wie das ausschaut ;-)
Die Rätsel allgemein sind stellenweise wirklich knifflig und fordernd, das hängt auch etwas mit den genialen Hintergrundgrafiken zusammen, die eben auch mit jeder Menge animierten Details verziert sind. So weiß man zunächst nicht, was man anklicken kann und was einfach "Deko" ist. Somit bietet Machinarium das Old-School-Gefühl, einfach alles auf dem Bildschirm erkunden, entdecken und ausprobieren zu müssen. Das ist auch gut so, denn es gibt viel zu entdecken. Neben den klassischen Rätseln erwarten euch zudem einige Minispiele. Ob das eine Partie "Tic-Tac-Toe 2.0" mit einem Roboter in der Bar ist, oder eine Runde "Space Invaders" in der örtlichen Arcade-Automaten-Halle. Abwechslungsreich und spaßig sind die allemal. Ferner erwarten euch zusätzlich noch einige Geschicklichkeits- und Denkspielchen, die die grauen Zellen wieder etwas anregen. Mir hat dieser abwechslungsreiche Mix sehr gut gefallen.


Präsentation, Charaktere & Co.
Wie schon geschrieben macht die detailreiche und liebevoll gezeichnete Welt unheimlich Spaß und bietet jede Menge zum Staunen, Entdecken & Verlieben. Aber auch alle Charaktere und Aufgaben, denen man im Laufe des Spiels begegnet, versprühen einen unglaublichen Charme und tragen zur rundum gelungenen Atmosphäre bei. Ob das nun die Roboterfrau ist, die verzweifelt ihren mechanischen Köter sucht, der Opa der dringend Öl für seinen quietschenden Rollstuhl benötigt, das Musikertrio, denen diverse Kleinteile für ihre Instrumente fehlen, und und und. Witzige Details kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz. Natürlich möchte ich euch nicht den Spielspaß verderben und die Story allzu sehr spoilern, nur soviel - es gibt auch böse Blechbüchsen in Machinarium - und um genau diese kümmert sich unser kleiner Freund.
Wie zuletzt Trine ist Machinarium erneut ein Titel einer Indie-Schmiede der mich durch und durch begeistert hat und wirklich jeden Cent wert ist. Für knapp 13 Euro erhaltet ihr die Download-Version (Win+Mac+Linux inkl. Soundtrack als MP3) direkt im offiziellen Shop, oder für 17 Euro über Steam oder für rund 29 Euro als Retail-Version (PC+Mac) inkl. Soundtrack, Poster & Co. Dafür gibt es dann etwas über 10 Stunden Spielspaß pur. Wer erstmal reinschnuppern möchte, für den steht auch eine Demoversion für den PC oder MAC bereit.
Zwei Kleinigkeiten wollte ich dann doch nicht unerwähnt lassen. Zum einen hab ich nie gespeichert, da das Spiel selbst den letzten Punkt als Weiterspielpunkt anbietet - genau da lag mein Fehler, als ich gegen Mitte des Spiels einen Patzer begangen habe und mich anschließend quasi an einem toten Punkt befand. Da hieß es, once again please. Die Steuerung ist durch und durch klasse gemacht, einzig aus Gewohnheit schmeiß ich Gegenstände, die ich dann doch gerade nicht anwenden kann, gerne per ESC oder rechter Maustaste wieder zurück ins Inventar - das klappt hier aufgrund von Flash nicht. Den positiven Gesamteindruck & Spielspaß können diese beiden Sachen aber absolut nicht trüben.
Bleibt zu hoffen, dass sich das Spiel gut verkauft, damit wir auch weiterhin solche Gameperlen präsentiert bekommen - ich kanns nur jedem empfehlen.
Fazit von Darius:
Das Spiel ist einfach wunderbar! Die liebevolle Grafik, der klasse Soundtrack, das einfache und ebenso geniale Gameplay und - last but not least - die schönen und anspruchsvollen Rätsel & Minigames, machen Machinarium zu dem Insidertipp für alle Point'n'Click Adventure & Rätsel-Fans. Von den skurril-witzigen Charakteren ganz zu schweigen. Ich wurde für einige Stunden mehr als gut unterhalten und hab mir hier und da die Zähne an den Rätseln bzw. Geschicklichkeitseinlagen ausgebissen.
Die Entwickler beweisen mit ihrem neusten Werk, dass gute Point'n'Click Abenteuer nicht immer im Piratengenre angesiedelt sein müssen, sondern bieten mit dem originellen Setting eine mehr als gelungene Abwechslung. Machinarium sollte sich jeder der halbwegs etwas mit diesem Genre anfangen kann auf jeden Fall ins Regal stellen. Wer hier nicht zugreift, ist selber schuld.
- Liebevolle & Detailreiche Grafik
- Originelles Setting
- Skurrile Charaktere
- Rätsel & Minigames (Space Invaders!)
- Soundtrack
- Einfache Steuerung
- Fesselnde 10
- Stunden Spielspaß
- kein DRM/DVD-Zwang
- Preis-/Leistungsverhältnis
- Mich hat nichts gestört.
Darius hat Machinarium auf dem PC gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Daedalic Entertainment zur Verfügung gestellt.


#1 | 29. Oktober 2009 um 21:17 Uhr
LG
Sandra
#2 | 29. Oktober 2009 um 21:52 Uhr
#3 | 29. Oktober 2009 um 23:48 Uhr
#4 | 30. Oktober 2009 um 18:57 Uhr