C.O.P. The Recruit - Review

Rockstar hat es vorgemacht: umfangreiche Open-World-Action ist auch am Nintendo DS möglich! GTA: Chinatown Wars ist groß, spannend, hervorragend inszeniert, sieht super aus und macht riesigen Spaß. Ubisoft will ein Stück vom Kuchen abhaben und schickt mit COP - The Recruit nun einen Polizisten aus den eigenen Reihen auf den Handheld. Schicke Technik bietet COP allemal, sogar in Third-Person-Perspektive - aber abseits davon bleibt vieles unter den Erwartungen. Und es liegt nicht nur daran, dass es nur halb so viel Spaß macht, nur den Guten spielen zu dürfen - es liegt vor allem an der unspektakulären und gewöhnlichen Präsentation, ebenso wie an der umständlichen Steuerung. Ist COP trotzdem ein gutes Spiel?

Vom Raser zum Undercover-COP




Fangen wir mal einfach mit der Story an. Worum geht es? Nun, ihr schlüpft in die Rolle vom Obermacker Dan Miles, ein ehemaliger Straßenraser, der jetzt - wie auch immer - als Undercoverpolizist arbeitet und damit sein Brot verdient. Wie der Junge überhaupt zum Polizisten wurde, ist ebenfalls eine interessante Geschichte: sein Mentor Brad Winter sieht großes Potenzial im Kleinkriminellen und nimmt ihn mal eben so bei sich in Ausbildung, anstatt ihn in den Knast zu stecken. Spannend (Ironie!) wird es erst, als herauskommt, dass Winter selbst in Schwierigkeiten steckt - erwartet also keine besonders ungewöhnliche oder gar fesselnde Geschichte, sondern schaut zu, dass ihr der vor Klischees nur so triefenden Story wenigstens das versteht, was von euch verlangt wird. Dan Miles selber empfinde ich persönlich als ziemlich unsympathisch und ich kann mit dem Charakter selbst auch nur wenig anfangen, und muss daher gestehen, dass Huang aus GTA: Chinatown Wars wesentlich cooler auf mich wirkt. Vielleicht liegt das auch daran, dass der der Böse und Abgebrühte ist, der außer Kriminellen fangen auch noch Drogenhandel im Sinn hat und nicht mit gemeinen Wörtern geizt. Außerdem präsentiert sich GTA wesentlich stylisher und wartet mit ansehnlichen Comic-Sequenzen und super gestalteten Dialogen auf - also quasi das Gegenteil von COP, das mit seinen Dialogen einfach nur langweilt. Verzeihen könnte ich dem Spiel die schwache Story mit den öden Charakteren aber trotzdem, wenn mich wenigstens das Gameplay umgehauen hätte. Hat es aber nicht.

New York - eine Stadt zwischen Pracht und Einöde



In COP versetzt es euch in die Stadt New York in Amerika - jeder sollte zumindest den Namen schon einmal gehört haben. Dass "New York" nicht gleich New York ist, dürfte ebenfalls jedem klar sein, denn die Big City, in der ihr in COP unterwegs seid, hat kaum etwas mit der weltberühmten Metropole zu tun und ähnelt nicht mal im geringsten Ansatz dem New York aus Prototype, das ebenfalls rein fiktiv designt wurde - also bewegt ihr euch quasi in einer erfundenen Stadt. Schön und gut, diese Tatsache, aber die Stadt hat dennoch einiges an grafischer Pracht zu bieten, obwohl wir - kein Scherz - von einer Open-City/Open-World am kleinen Nintendo DS reden, der ansonsten zumeist grafischen Müll auf den Bildschirm zaubert. Ja, COP sieht gut aus, sehr gut sogar! Im Gegensatz zur Vogelperspektive aus GTA bekommt ihr hier eine waschechte 3D-Umgebung zu Gesicht, durch die ihr Mister Miles in Third-Person-Ansicht steuert. Überraschend ist nicht nur, wie gut das Ganze am Ende ausschaut, sondern auch, dass das Geschehen durchgehend flüssig läuft und die Framerate kein einziges Mal einbricht (war zumindest bei mir nicht der Fall) - egal, wie viele Objekte sich gleichzeitig auf dem kleinen Screen tummeln. Teilweise gibt es sogar ein paar Dinge in der Umgebung zu zerstören. Das ändert trotz allem nichts daran, dass GTA: Chinatown Wars besser aussieht, wie ich finde. Das liegt mit Sicherheit an der Vogelperspektive mit dem stylishen und wunderbaren Comic-Look, mit dem eine 3D-Umgebung am DS einfach nicht mithalten kann, da hier der Charme nicht so gut rüberkommt. Versteht mich nicht falsch, COP sieht richtig gut aus - aber dieses GTA passt einfach besser, zumal es auch teils wunderschöne Effekte auf den Bildschirm zaubert, womit COP streng geizt. Nur selten zeigen sich euch wirklich beeindruckende Effekte und kräftige Farben, weswegen ich GTA schöner finde. Aber jedem seine Meinung - objektiv betrachtet sieht COP einfach super aus.

C.O.P. The Recruit


Wie schon gesagt ist New York eine Open-World, also eine frei begehbare Spielumgebung, wie es aus jedem GTA bekannt ist. In der Metropole fahren Autos herum, Passanten laufen über die Straßen und Wege - und weiter? Es gibt ein paar nette Sehenswürdigkeiten, die man auch fotografieren kann, und ansonsten gibt es zahlreiche Nebenmissionen. Wer aber gerne wie in GTA beliebt einfach ein paar Passanten abballern/plattfahren/totprügeln und sich anschließend heiße Gefechte mit der Polizei liefern will, der hat sprichwörtlich Pech gehabt - die Cops reagieren gar nicht darauf, wenn ihr Zivilisten abschießt, was ja auch ziemlich seltsam wäre, da ihr ja selbst ein Polizist seid und das Spiel damit normalerweise zu Ende wäre. Somit sieht die Sache so aus, dass sich die Cops einen Scheißdreck darum kümmern, wie ihr die Passanten quält. Und warum sage ich quälen? Nunja - irgendwie lassen sich die Leute nicht einmal töten. Sehr seltsam und auch kein Schnitt durch die USK, sondern eine einfache Tatsache. Was soll's! Dadurch wird nur leider der gesamte Spielspaß um einen großen Teil gedrückt, da die Open-World sehr wenig zu bieten hat, womit man mindestens drei Klassen unter Chinatown Wars Platz nehmen muss.

Steuerungszicken und verdammtes 3C




Trotz einem großen Umfang mit über 60 Missionen, massig Baller- und Fahraction satt und einer klasse Grafik habe ich neben der Story auch noch ein paar andere Dinge zu kritisieren, die man leider nicht verzeihen kann. Dazu gehört das egentlich clevere Gerät 3C, in das man Codes eingeben muss, um bestimmte Schranken hochzufahren und so andere Bereiche zugänglich zu machen. Verdammt blödsinnig ist aber, dass man - selbst wenn man genau vor der Schranke steht - aufgrund einer fehlenden Sprungsteuerung gezwungen wird, den Code erst mühselig rauszusuchen und anschließend einzutippen. Auch sonst erweist sich das 3C als äußerst nervig, wenn es um Komfort geht, den der geht hier nahezu vollständig verloren. Ebenso lästig kann mitunter die Steuerung sein: ihr lenkt Dan Miles mit dem Steuerkreuz und justiert mit den Tasten die Kamera, was allerdings nur im Stehen möglich ist. Dagegen klappt die Fahrsteuerung richtig gut (Bemerkung: es interessiert niemanden, ob ihr ihm auf offener Straße einfach das Auto klaut, ihr seid schließlich ein Cop). Die häufigen Schießereien gehen einigermaßen gut von der Hand, reichen aber nie an die Bequemlichkeit eines Metroid Prime: Hunters heran. Oft müsst ihr mit dem Touchpen mehrmals nachziehen, um endlich das Ziel anvisiert zu haben. Mein letzter unverzeihlicher Kritikpunkt richtet sich an den katastrophalen Sound. Die Motorengeräusche der Fahrzeuge sind ohrenbetäubend und ertönen selbst bei absolutem Stillstand, was einfach grausam ist! Und das Highlight zum Schluss: steht ihr vollkommen alleine zu Fuß auf der Straße und es fahren gerade keine Autos, will das Spiele euch vorgaukeln, dass gerade Autos fahren würden und spielt also Motorengeräusche ab - das hört sich in diesen Momenten sehr, sehr seltsam an.
Tim

Fazit von Tim:

Ich hatte mehr erwartet. Eigentlich war es abzusehen, nun weiß ich es: hinter der Prachtgrafik von COP - The Recruit verbirgt sich nicht mehr als ein gewöhnlicher, unspektakulärer und teilweise extrem umständlicher Third-Person-Shooter mit Fahreinlagen und abwechslungsreichen Haupt- und Nebenmissionen. Was genau ist eigentlich daran schuld, dass ich persönlich GTA: Chinatown Wars COP vorziehen würde? Ganz einfach: es liegt an der Open-World, die mich einfach nicht begeistern konnte. Und obendrein ist die Steuerung des Öfteren sehr hakelig und das 3C geht auf Dauer auch auf die Nerven. Das klingt trotzdem alles härter als es ist, denn COP ist weiß Gott kein schlechtes Spiel, sondern zeigt einfach nur, warum GTA weiterhin ungeschlagen an der Spitze der Open-World-Spiele steht - weil es weiß, wie man eine offene Spielumgebung lebendig und aufregend in Szene setzt. Somit bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: COP ist ein gutes, spaßiges und prächtig aussehendes Actionspiel, das aber mit einigen Macken zu kämpfen hat und nicht in der Lage ist, GTA vom Thron zu stoßen.

Besonders gut finde ich ...
  • Prachtgrafik in 3D
  • frei begehbares, ...
  • man spielt (auch mal) den Guten, ...
  • Third-Person-Action satt
  • mehr als 60 Missionen
  • recht abwechslungsreich
  • jederzeit flüssige Framerate
  • viel zu tun abseits der Story
  • gute Fahrzeugsteuerung
Nicht so optimal ...
  • furchtbar nerviges 3C-Gerät
  • ... aber sehr steriles New York
  • ... was weniger Spaß macht
  • oftmals hakelige Steuerung
  • katastrophaler Sound
  • klischeehafte Geschichte
  • böse sein hat keine Auswirkungen

Tim hat C.O.P. The Recruit auf dem Nintendo DS gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.

C.O.P. The Recruit - Boxart
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  • Entwickler:VD-Dev Games
  • Publisher:Ubisoft
  • Genre:Third-Person-Action
  • Plattform:NDS
  • Release:29.10.2009