DJ Hero - Review

Schon seit ein paar Wochen steht DJ Hero in den Regalen der Händler und wartet nur darauf, gekauft und gezockt zu werden. Aber Achtung: ganz entgegen so mancher Vermutung oder Spekulation im voraus ist DJ Hero bei weitem kein einfacher Cousin des ähnlich klingenden Gitarrenheldenspiels. Denn trotz des eng verwandten Spielprinzips und der gleichen großartigen Soundqualität bietet das Spiel ein ganz neues Rhythmusgefühl. Schafft es DJ Hero, zu begeistern? Oder noch mehr - erspart der Turntable-Controller wirklich den DJ im Haus?


Der DJ in mir



Ob das Musikgenre langsam überfüllt ist? Diese Frage darf an dieser Stelle jeder für sich selbst beantworten. Meine Ansicht dazu ist, dass ich gerne so viele Musikspiele wie nur möglich akzeptiere, solange die Qualität stimmt. Vielleicht sollte ich hier auch bemerken, dass ich DJ Hero nicht mal im Ansatz skeptisch gegenüberstand, eigentlich habe ich mit einem richtig guten Spiel gerechnet, das auch Disco-Feeling ins Zimmer zaubert. So ganz falsch lag ich mit meinen Erwartungen glücklicherweise gar nicht - aber dennoch ist DJ Hero bei weitem nicht perfekt ...

Das heißt aber nicht, dass es nichts richtig macht, ganz im Gegenteil: DJ Hero hat verdammt viel zu bieten. Der Grundbaustein für das komplette Spiel ist natürlich der neuartige und innovative DJ-Controller in Form eines Turntables, der aus Crossfader, Plattenteller und ein paar Tasten zum Drehen und Drücken besteht. Auf den ersten Blick wirkt die zusätzliche Hardware sehr unbequem und kompliziert, aber bereits nach kürzester Zeit sind sämtliche Bedenken verflogen und die Mischung aus Crossfaden, Scratchen und Tastendrücken geht locker und flüssig von der Hand, ohne große Probleme zu bereiten. Dank eines umfangreichen und guten Tutorials werdet ihr schnell und komfortabel in die Steuerung eingeführt. Abgesehen von der Steuerung, die hervorragend funktioniert, ist die Hardware sehr gut verarbeitet und bekommt weder nach ein paar Mixes Kratzer noch gibt es sonst irgendetwas Negatives zu berichten. Das Scratchen auf dem Plattenteller klappt einwandfrei, da sich der Teller perfekt dreht, und auch sonst hat mich eigentlich kaum etwas gestört. Lediglich der Crossfader rastet ab und an nicht richtig ein, was leider mühsam aufgebaute Combos wieder vernichtet. Auf jeden Fall ist der Controller mehr als nur solide und sorgt nach kurzer Eingewöhnungszeit auch für einen leichten DJ-Touch. Am meisten profitiert von der Hardware aber das Rhythmus- und Taktgefühl, das sich nun deutlich angenehmer anfühlt als noch in einem Guitar Hero - mit Sicherheit auch ein netter Nebeneffekt des unterhaltsamen Scratchens, das letzten Endes den DJ im Spieler weckt.


DJ HeroDJ Hero


Traditionelles Konzept, riesiger Spaß!



Wer sich mit Guitar Hero, Rock Band & Co. auskennt, der dürfte auch bereits nach kurzer Zeit das Spielprinzip von DJ Hero verinnerlicht haben: noch immer rollen Noten Tonspuren hinunter und euer Ziel ist es, im richtigen Moment den richtigen Knopf zu drücken, um die Note auch zu treffen. In DJ Hero gibt es genau drei Tonspuren, die einer Schallplatte nachempfunden sind und somit ein wenig schräg in den Bildschirm hineinlaufen. Aber Achtung: auch wenn es in DJ Hero lediglich drei Tonspuren gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass das Spiel einfacher ist als Guitar Hero und Konsorten - ganz im Gegenteil: DJ Hero ist besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden extrem schwierig, und auf dem mittleren Grad ebenfalls sehr fordernd, allerdings auch nie unfair und bietet somit einen harten, aber auch motivierenden Grad an Herausforderung. Mit insgesamt fünf Schwierigkeitsgraden für jeden Mix sollte jeder schnell mit der Bedienung des Spiels klarkommen. Zunächst versucht man es wie gewöhnlich auf etwas leichteren bis normalen Schwierigkeitsgraden, aber es dauert nicht sehr lange, bis man sich an die härteren Bedingungen wagen möchte - was sich letztlich auch in einer enorm hohen Motivation zum Weiterspielen widerspiegelt.

Das Spielprinzip selbst ist im Grunde gewohnt konservativ, bietet aber auch die eine oder andere bedeutende Veränderung oder Neuerung, die natürlich auch in Verbindung mit dem Turntable-Controller steht. Da wäre zum einen das zu Beginn seltsam anmutende, später aber umso unterhaltsamere Scratchen - also das Drehen des Plattentellers, das verdammt gut von der Hand geht. Hier kann man auch wieder ein Beispiel für die große Herausforderung auf höheren Schwierigkeitsgraden geben: während man auf "Normal" frei in jede beliebige Richtung drehen kann (natürlich nur dann, wenn auch die entsprechende Notenspur herunterrollt), bekommt man auf "Profi" sogar die Richtung des Scratchens vorgegeben. Und das klingt um Welten einfacher, als es in der Praxis ist - ich verzweifle bis heute teilweise noch an den wirklich verdammt schwierigen Scratch-Passagen im Profi-Modus. Zum anderen ist das Crossfaden ein enorm wichtiges Element im DJ-Alltag: damit könnt ihr zwischen den Tonspuren wechseln. Schade ist nur, dass dem Spieler leider nur sehr wenig kreative Freiheit geboten wird. Im Grunde macht ihr nämlich nur das, was euch vorgegeben wird. Lediglich in den Freestyle-Passagen dürft ihr die Tonlage des Sounds ein wenig nach eurem Willen verändern. Ansonsten dürfte das Spielprinzip im Großen und Ganzen bekannt sein. Erwähnenswert ist hier aber noch das coole Rewind-Feature, mit dem ihr nach dem Abschließen einer bestimmten Notenserie ohne Fehler die Tonspur ein wenig zurückspulen könnt, indem ihr den Plattenteller rückwärts dreht - danach bekommt ihr auch einen Punktemultiplikator spendiert. Die aus Guitar Hero bekannte "Star Power" gibt es übrigens auch in DJ Hero in Form von "Euphorie". Trefft ihr bestimmte, markierte Noten, erhaltet ihr nach dem Aktivieren von Euphorie einen Multiplikatorbonus.


DJ HeroDJ Hero



Mixes, Spielmodi und Präsentation



Tatsache ist: das klingt bisher alles superklasse. Aber umso ernüchternder ist es dann, dass einige wenige Mashups (Mixes) nicht dieselbe hohe Qualität erreichen wie ich es mir erhofft hatte. Besonders die Mashups, in denen "Boom Boom Pow" von den Black Eyed Peas und "Day'n Night" von Kid Cudi vs. Crookers vermischt werden, wirken in meinen Ohren etwas aufgesetzt und verschenken damit ein wenig Potenzial. Der Großteil der Mashups ist jedoch erstklassig abgemischt, klingt hervorragend und kann für einige spektakuläre Ohrwürmer sorgen - dazu gehören auch die Mixes, in denen "Pijanoo" von Eric Prydz und "Shout" von Tears for Fears vermischt werden, ebenso wie das häufig verwendete "Hollaback Girl" von Gwen Stefani. Und besonders gelungen ist vor allem auch die Daft Punk Setliste. Im Großen und Ganzen bekommt man hier von freestyle Games und Activision einen akustischen Leckerbissen serviert, der mit über 90 Mashups gleichermaßen Abwechslung wie auch Disco-Feeling verströmt. Kleinere Lückenfüller und ein paar schlecht abgestimmte Mixes kann man aber verkraften. Besonders gelungen ist natürlich auch die Qualität von dem, was aus den Lautsprechern ertönt - das klingt alles richtig, richtig gut. Und obendrein sieht DJ Hero auch noch sehr ansprechend aus: tolle visuelle Effekte, viele Lichtspielereien und eine große Farbenvielfalt sorgen für einen angenehmen Touch von Disco-Feeling.

Allerdings bietet DJ Hero nicht sonderlich viele Spielmodi. Einer ist aber dennoch mehr als erwähnenswert: ihr könnt, falls ihr eine Guitar Hero Gitarre zur Hand habt, zusammen mit einem zweiten Spieler eine DJ-Guitar-Kooperation starten. Das sorgt dann auch für die mit Abstand beste Soundkulisse und macht eine Menge Spaß. Doof ist dagegen, dass man abgesehen von dem von Lags weitestgehend verschonten Online-Modus offline im Normalfall nur alleine spielen kann. Um zu zweit zu spielen, benötigt man nämlich dringend einen zweiten Turntable-Controller. Und der kann leider nicht separat gekauft werden, sondern muss im Bundle mit DJ Hero erworben werden. Übrigens gibt es im Spiel jede Menge zusätzlichen Kram freizuschalten, darunter auch neue Skins, DJs, Schauplätze und natürlich Mashups. Nur eigene DJs könnt ihr nicht erstellen.



Tim

Fazit von Tim:

Dieser geniale Mix aus Eric Prydz' "Pijanoo" und "Shout" von Tears for Fears geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Und umso mehr verspüre ich schon wieder diese innere Stimme in mir, die mich dazu überreden versucht, denselben Mix zum x-ten Mal auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zu spielen - klasse! DJ Hero bietet eine derart vollkommene akustische Vielfalt und ein einzigartiges, neu anmutendes Rhythmusgefühl, das Guitar Hero um Klassen schlägt. Schade ist nur, dass der teure Offline-Multiplayer die DJ-Freude etwas trübt, denn alles in allem ist DJ Hero genau das, was ich mir gewünscht hatte: akustisch hervorragend, spielerisch hochmotivierend und superspaßig und obendrein mit einer toll verarbeiteten Hardware präsentiert. Ich freue mich schon riesig auf den hoffentlich bald erscheinenden Nachfolger, der sich ja bereits in Arbeit befindet. Und jetzt kaufe ich mir erstmal das David Guetta Paket!

Besonders gut finde ich ...
  • Unmengen an guten & exklusiven Mixes
  • gewohnt unterhaltsames Spielprinzip
  • neuartiges Rhythmus- und Taktgefühl
  • sehr gut verarbeitete Hardware
  • Guitar-DJ-Kooperation möglich
  • erstklassige Soundqualität
  • eingängige, intuitive Steuerung
  • fairer, fordernder Schwierigkeitsgrad
  • Online-Duelle weitestgehend ohne Lags
  • freischaltbare Skins, DJs etc.
  • tolle Präsentation, Disco-Feeling
Nicht so optimal ...
  • Multiplayer nur mit 2 Turntables
  • Turntables nicht separat erhältlich
  • sehr wenige Spielmodi

Tim hat DJ Hero auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Activision zur Verfügung gestellt.


Philipp

Fazit von Philipp:

Als ich DJ Hero vor mir hatte, wusste ich nicht, was mich erwarten sollte. Ich bin eigentlich kein Fan von diesem Plastikgefummel und ich fühle mich auch nicht wie Santana, wenn ich eine Plastikgitarre vor meinem Bildschirm hin- und herwerfe. Auch mit Band Hero bin ich nie warm geworden - irgendwie liegen mir solche Spiele einfach nicht. Entsprechend war meine Skepsis groß, was mir DJ Hero bieten würde. Doch ich wurde überrascht.

Die Verarbeitung ist durchaus solide und die ersten Schritte im Programm sind dank einem gelungenen Tutorial wirklich unterhaltsam. Es macht Spaß zu den Mixes vor seinen Tables zu sitzen, die Knöpfe und Regler zu betätigen und dabei die Platten zu bewegen. Dank vieler Songs und freischaltbarer Boni verzeihe ich auch den teilweise etwas unausgewogenen Schwierigkeitsgrad und einige wirklich schreckliche Musikstücke.

Auch der Multiplayermodus konnte mich ein ums andere Mal überzeugen und hat mir erheiternde Stunden mit Kollege Michi beschert. Schade nur, dass man die Turntables momentan nicht separat kaufen kann, denn das versperrt sicher die eine oder andere freundschaftliche Runde vor dem heimischen Fernseher. Auch die Langzeitmotivation ist dank geringem Spielmodi-Umfang eher überschaubar geworden. Was bleibt ist der überraschende Gesamteindruck, dass DJ Hero trotz Abneigung zur Plastikunterhaltung einen extrem hohen Spaßfaktor bietet - zwar nicht dauerhaft und für mehrere Stunden, durchaus aber für "gerade noch die Runde" am Tag. Wer sowieso auf die ganzen "XY Hero" Titel abfährt, wird denke ich gedankenlos zuschlagen können, alle anderen sollten dem Spiel vielleicht tatsächlich mal eine Chance geben.

Besonders gut finde ich ...
  • überraschend spaßig
  • gute Verarbeitung
  • viele gute Mixes
  • freischalte Extras
  • schöne Präsentation
  • unterhaltsamer Multiplayer
Nicht so optimal ...
  • Auf Dauer etwas fad
  • Turntables nur im Komplettpaket
  • Kaum Spielmodi

Philipp hat DJ Hero auf der Xbox 360 gespielt.

DJ Hero - Boxart
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  • Entwickler:Freestyle Games
  • Publisher:Activision
  • Genre:Music
  • Plattform:PS3, Xbox360, Wii
  • Release:27.10.2009

Kommentare & Likes

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  • Darius
    #1 | 4. Januar 2010 um 23:32 Uhr
    Activision oder IKEA bringen dann wohl auch demnächst den "Mökbek Shrank" in den Handel. Ein Schrank, in dem man all seine Hero, Band oder sonstigen Errungenschaften in Form von Plastikscheissdreck-Instrumenten, die man sein Eigen nennt, hinein packt. Hellau, hurra!   

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