Red Steel 2 - Review
Alles neu, alles anders, alles besser - Red Steel 2 rockt die Bude!
Man mag es nicht glauben, aber über einen längeren Zeitraum zu zocken kann ganz schön schweißtreibend sein, insbesondere dann, wenn man wie wild mit der WiiMote und dem Nunchuk herumfuchtelt. Bei Red Steel 2 ist es nicht anders, obwohl die Steuerung dank MotionPlus-Unterstützung einwandfrei funktioniert - das wilde Herumfuchteln und die hakelige Bedienung aus dem ersten Teil sind damit also passé. Aber zusammen mit der Steuerung haben auch Held, Setting, Grafikstil, Gameplay, Story und Spieldesign gewechselt. Red Steel 2 hat, mal vom Namen abgesehen, überhaupt nichts mehr mit dem Vorgänger zu tun. Das hat auch hervorragend geklappt: alles ist neu, alles ist anders, alles ist besser. Ubisoft hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und lädt ein in ein sehr unterhaltsames und stylishes Western-Abenteuer mit Katana-Action - Feuer frei!
Der letzte Kusagari - und dann auch noch namenlos.
Ich öffne langsam wieder die Augen. Die grelle Sonne scheint mir ins Gesicht. Schläfrig versuche ich, mich aufzurichten. Moment - was ist das für ein Seil? Warum ist es an meinen Händen befestigt? Und warum ist das andere Ende an einem Motorrad mit einem düsteren darauf sitzenden Typ festgemacht?! Ich höre noch kurz das hinterlistige Lachen. Er wird doch nicht ... ?! Es geht alles so schnell, plötzlich düst der Typ mit seiner Maschine los, wenige Sekunden später werde ich mitgezogen und durch den Sand der Wüste geschleift. Dieser Typ rast immer weiter, immer weiter, gerade auf eine Stadt zu! Aber kurze Zeit später bin ich befreit, der böse Mensch ist entkommen und das Motorrad kaputt. Was genau geschehen ist? Im Intro-Trailer könnt ihr den gesamten Einstieg anschauen und auch schon einen ersten Blick auf die hübsche Grafik werfen. Ja, alles startet recht spektakulär. Nur das Gameplay kommt eher behutsam in Gang: nachdem ich einen alten Mann vor zwei Rowdys gerettet habe, geht es erst einmal ins Dojo, in dem ich mit dem Training beginne. Dort erfahre ich dann auch, dass eine fiese Bande namens Jackals die Stadt bevölkert und beherrscht und dass die meisten Einwohner geflohen sind. Was genau los ist, werde ich erst später mitbekommen; aber auf jeden Fall bin ich der letzte Kusagari. Ich bin das letzte Mitglied des Kusagari-Clans - auch wenn ich das ganze Spiel über namenlos bleibe. Und diese fiesen Kerle haben während meiner 5-jährigen Verbannung nicht nur meinen gesamten Clan ausgelöscht, sondern sind auch noch hinter meinem wertvollen Katana her. Logisch, dass das Ganze schlussendlich in einem richtigen Clan-Krieg endet!
Allerdings spielt die Handlung in Red Steel 2 eher eine untergeordnete Rolle, der Verlauf der Story wird auch so gut wie nur in den regelmäßigen Dojo-Besuchen erzählt. Im Grunde ist die Story auch mehr als nur oberflächlich und wirkt im Großen und Ganzen eher belanglos, was ein wenig schade ist, weil die deutsche Sprachausgabe wirklich gut gelungen ist. Die abwechslungsreichen Render-Zwischensequenzen machen einen tollen Eindruck, ich hätte mir aber mehr davon gewünscht. Schade, dass die Geschichte nicht mehr in den Vordergrund tritt; geschadet hätte es auf jeden Fall nicht. Trotz wirklich ansehnlichem Charakterdesign bleiben auch die Figuren selbst erschreckend blass. Aber einen wichtigen Vorteil bringt das alles trotzdem mit sich: die fürchterlichen Dialoge aus Teil 1 gibt es nicht mehr! Trotzdem wurde hier sehr viel Potential verschenkt.




Missionen und Upgrades
Wenn ich nicht gerade im Dojo herumsitze oder ziellos durch Caldera streife, bin ich natürlich ständig dabei, die vielen Gegner, die sich in der Stadt herumtreiben, niederzumachen. Dabei ist Caldera bei weitem nicht frei begehbar, denn die Spielwelt öffnet sich erst nach und nach, je weiter ich in der Story vorankomme - und dennoch ist Red Steel 2 keineswegs linear! Ich kann jederzeit in bereits absolvierte Bereiche von Caldera zurückkehren und mein Glück in verschiedenen Nebenmissionen versuchen, die an der Pinnwand im Dojo ausgehängt sind. Schön ist auch, dass sich diese Nebenmissionen genau wie die Storymissionen merklich voneinander unterscheiden: mal muss ich die Funkverbindung an verschiedenen Sendemasten in der Stadt wiederherstellen, ein anderes Mal die Tanklaster der Jackals in die Luft jagen, dann das Geld aus den Banken in Sicherheit bringen, feindliche Kampftrupps eliminieren, Steckbriefe entfernen oder andere kleine Missionen absolvieren. Zwar ist man letztlich doch meistens nur mit Kämpfen beschäftigt, aber trotzdem ist man zum Weiterspielen motiviert. Die Missionen bringen mir natürlich einen gehörigen Batzen Geld ein, von dem ich dann zum Beispiel mein Katana aufrüsten kann. Oder ich investiere die Kohle in neue Waffen oder teure Waffen- und Munitionsupgrades. Wenn ich möchte, kaufe ich mir auch ein paar neue Spezialtechniken, mit denen ich meine Feinde noch leichter und cooler ausschalten kann. Kurzum: es wird dem Spieler recht viel zum Aufrüsten und Kaufen geboten. Das nötige Geld verdiene ich mir nicht nur durch das Abschließen von Missionen, sondern auch in den vielen zerstörbaren Objekten in der Umgebung verbergen sich Münzen. Gelegentlich gibt es auch Safes und Waffenschränke zu knacken und Tokens oder Sheriff Stars zu sammeln, die jeweils mehrere Tausend einbringen - das motiviert auch ungemein! Besonders die Sheriff Stars sind eine tolle Sache, denn man kann sie nur durch Abschießen einsammeln. Dementsprechend sind sie dann auch in Caldera verteilt: mal auf einem Dach, dann im Wasser, dann in einer Grube oder ganz woanders, die Verteilung ist wirklich gut gelungen. Insgesamt gibt es ganze vier Schusswaffen im Spiel, die um ein Vielfaches verbessert werden können - der Schwerpunkt liegt allerdings auf dem Katana, das auch am meisten genutzt werden sollte. Ich hatte auch während der gesamten Spielzeit keinen "Geldüberschuss", sodass ich immer fleißig am Sammeln war, um mir auch die nächsten Upgrades leisten zu können. Dieses System verschafft dem Titel eine enorme Motivation zum Weiterspielen und sorgt auch für Abwechslung neben dem Action-Alltag.




MotionPlus und Kampfsystem - ein Spitzenduo!
Im Mittelpunkt von Red Steel 2 stehen natürlich die Kämpfe gegen die Jackals und die Mitglieder der anderen Clans, die im Prinzip ganz shooter-typisch ablaufen, allerdings bringt das Katana mächtig Action und Abwechslung hinein. Spätestens, wenn gepanzerte Feinde mit dicken Rüstungen und gigantischen Hämmern angelaufen kommen, nützen auch die besten Waffen nichts mehr und dann wird das Schwert Pflicht. Mit dem Katana lässt sich wirklich viel anstellen: die Waffe bewegt sich dank MotionPlus nicht nur superpräzise und lässt sich prima steuern. Es gibt auch viele verschiedene Techniken, die ich mit dem Schwert vollführen kann, vor allem die neun freischaltbaren Spezialschläge sind große Klasse und machen mächtig Spaß. Besonders praktisch und cool sind dabei die Attacke, mit der ich schnell in den Rücken des Feindes springen kann und dann von hinten zuschlage, und die, bei der ich aus der Luft angreife. Die Attacken löst man jeweils durch eine bestimmte Tasten- und Schwungkombination aus, was auch super funktioniert. Mit dem Spielverlauf kommen nicht nur weitere Spezialangriffe, sondern auch härtere Gegner hinzu - entsprechend werden auch Fähigkeiten wie Blocken, Kontern und Ausweichen zu einem wichtigen Element der Kämpfe. Horizontales und vertikales Angreifen und Blocken ist dabei ebenso entscheidend wie die die Wucht des Schlags. Brachiale Finisher runden das Ganze ansprechend ab. Das alles ergibt zusammen mit den Schusswaffen ein richtig unterhaltsames und abwechslungsreiches Kampfsystem mit viel Anspruch und Experimentiermöglichkeiten. Toll ist dabei natürlich, wie MotionPlus integriert wurde: alles geht supergut von der Hand, die Bewegungen werden sehr gut erkannt und es gibt eigentlich gar keine Probleme, auch der Übergang von Katana zu Schusswaffen und andersrum klappt einwandfrei und stört nie den lockeren Spielfluss. Zudem kann man die Steuerung noch in vielen Aspekten konfigurieren - wer dachte, The Conduit steuere sich perfekt, der sollte unbedingt mal in Red Steel 2 reinschauen. Wie genau das alles in der Praxis funktioniert, könnt ihr euch im Tutorial-Trailer ansehen.




Caldera: Osten und Westen eindrucksvoll vereint
Genauso eindrucksvoll wie die Steuerung und das Kampfsystem ist auch das Design von Spielwelt, Objekten und Figuren. Der Celshade-Grafikstil steht dem Spiel super und erinnert stark an Gearbox' Borderlands; man könnte glatt den Eindruck bekommen, dass der Shooter auf Wii fortgesetzt würde. Dass manche Texturen nicht ganz einwandfrei sind, ist überhaupt kein Problem, da der Stil der Grafik die meisten Mängel beseitigt oder verdeckt. Auch die Waffen (u.a. Maschinengewehr und Schrotflinte), Gegner und Objekte sind toll designt. Ein paar mehr Gegnerdesigns hätten aber nicht geschadet, man begegnet recht oft denselben Kontrahenten. Aber es ist nicht nur der Grafikstil, der Red Steel 2 optisch auszeichnet, es ist das kreative, außergewöhnliche Design im Allgemeinen: Caldera wirkt wie eine Mischung aus Wildem Westen und fernöstlicher Kultur verbunden mit modernden Einflüssen. Da stehen riesige Pagoden neben verfallenen Saloons, man ist in Wassergärten unterwegs, begegnet Ninjas und Cowboys und trotzdem gibt es zahlreiche Maschinen und elektrische Geräte. Die Mischung mag ausgefallen und seltsam klingen, sie ist aber hervorragend in Szene gesetzt und verleiht dem Ganzen einen einzigartigen Flair. Außerdem ist man nicht nur in der Stadt unterwegs: es geht auch in die Wüste und manchmal müsst ihr auch nachts agieren. Dass manche Teile von Caldera recht steril wirken, kann man verzeihen, schließlich ist die Stadt ja auch wie ausgestorben. Auch die gute Musikuntermalung trägt ihren Teil zur tollen Atmosphäre bei und erinnert ebenfalls wieder leicht an Borderlands. Frustmomente gibt es in Red Steel 2 recht wenige; die Bosskämpfe sind zwar fordernd, aber niemals unfair, genau wie der allgemeine Schwierigkeitsgrad des Spiels, und auch die Checkpoints sind größtenteils sehr gut verteilt. Erfahrene Spieler könnten sich aber eventuell etwas unterfordert fühlen, dürfen aber zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen.
Ab und an, wenn auch eher selten, gibt es zudem bestimmte Passagen, in denen ihr Quick Time Events ausführen müsst, zum Beispiel während einer hektischen Autofahrt, bei der ihr oben auf dem Dach seid und den Fahrer erledigen sollt, oder während einer Zugfahrt. Diese Sequenzen machen auch optisch den besten Eindruck, da sie quasi "Cutscenes" sind - nur eben mit QTE-Einlagen. Wer eine tiefe Abneigung gegen solche Reaktionsspielchen hat, sollte sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, denn es gibt nur sehr wenige im gesamten Spiel. Auf einen Multiplayermodus muss man dieses Mal komplett verzichten - meiner Ansicht nach aber überhaupt kein Problem, da der Umfang auch so recht ansprechend ist und für die Story plus Nebenmissionen locker um die 10+ Stunden draufgehen können. Übrigens ist Red Steel 2 wirklich nicht brutal, obwohl das Katana und der Titel das vielleicht andeuten - die USK16-Freigabe geht so durchaus in Ordnung. Manche Finisher wirken für einen Titel ab 16 vielleicht etwas heftig, Blut fließt jedoch nicht. Neulingen wird der Einstieg in Red Steel 2 außerdem sehr einfach gemacht, da die exzellenten Tutorials jedes noch so kleine Detail erklären und keine Schwierigkeiten aufkommen lassen. Und wie oben bereits beschrieben, kann man auch direkt loslegen, ohne den ersten Teil gespielt zu haben.
Fazit von Tim:
Lasst euch bloß nicht vom Namen abschrecken, denn hier gilt: alles neu macht Nummer 2. Der Nachfolger zu Red Steel ist wirklich in jedem Aspekt besser als sein Vorgänger. Insbesondere die ausgezeichnete Steuerung ist das große Highlight des Spiels und endlich kommt MotionPlus auch richtig zum Einsatz: die Schwertkämpfe steuern sich prima, die Waffe tanzt mit der WiiMote-Bewegung mit und alles geht einwandfrei von der Hand. Dass der Rest des Spiels, der um die Steuerung gestrickt wurde, ebenfalls überzeugen kann, ist umso bemerkenswerter, denn im Gegensatz zu The Conduit macht die Kampagne einen rundum guten Eindruck - Ubisoft hat hier wahrlich nicht geschlampt und sehr gute Arbeit geleistet. Und auch wenn die Story dünner ist wie ein Blatt Papier und der Held komplett ohne Namen auskommen muss, kann das Spiel doch von Anfang bis Ende motivieren.
Ja, es gibt kleinere Schnitzer, die man hätte ausbessern können: zum Beispiel hätte Caldera an manchen Stellen etwas lebendiger wirken können, es hätte mehr Gegnerdesigns geben können und außerdem dürfte das Ganze ruhig ein wenig schwerer sein, auch das Missionsdesign verliert mit der Zeit an Variation. Mich hat das jedoch eher wenig gestört, da das Gameplay ansonsten wirklich verdammt unterhaltsam ist! Die Kämpfe mit dem Katana sind super inszeniert, spielen sich klasse und bieten angenehm viele Aktionsmöglichkeiten - dank MotionPlus geht das Schwertschwingen richtig ab. Obendrein ist die Technik ausgefeilt und der Celshade-Stil sieht sehr schön aus, zumal Caldera ja sowieso eine faszinierende Stadt ist. Ich bin froh, dass Ubisoft aus dem ersten Teil gelernt hat und mit Red Steel 2 ein richtig gutes Spiel serviert, welches auch mal etwas anderes ist als ein typischer 08/15-Shooter. Wer MotionPlus bereits besitzt, muss unbedingt zugreifen! Und auch alle anderen, die mal wieder ein spannendes, spaßiges und vor allem überdurchschnittlich gutes Actionspiel auf Wii suchen, haben hier definitiv stundenlang ihren Spaß. Dass es letztlich nicht ganz für die Maximalwertung von fünf Sternen gereicht hat, ist der schwachen Story zuzuschreiben - denn ansonsten habe ich nicht viel zu meckern. Ich freue mich auf den (hoffentlich kommenden) Nachfolger und wünsche Ubisoft erfreuliche Verkaufszahlen, verdient hat es Red Steel 2 auf alle Fälle!
- MotionPlus sorgt für eine präzise und punktgenaue Steuerung (Katana!), die konfiguriert werden kann
- sehr gutes Kampfsystem bietet viele Experimentiermöglichkeiten
- viele verschiedene Angriffstaktiken, Waffenupgrades und Boni
- außergewöhnliches Design von Gegnern, Spielwelt und Charakteren
- toll designte Spielwelt, die sich nach und nach komplett öffnet
- an Borderlands erinnernde, äußerst attraktive Comic-Grafik
- stimmungsvolle Musikuntermalung
- gelungene deutsche Sprachausgabe
- sehr gute und umfangreiche Tutorials
- ansprechender Umfang mit vielen motivierenden Nebenmissionen
- schwache Story mit namenlosem Held
- etwas wenig Variation bei den Gegnern
- einige Bereiche Calderas wirken starr
- mitunter etwas abwechslungsarm
- kein Multiplayermodus
Tim hat Red Steel 2 auf der Nintendo Wii gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Ubisoft zur Verfügung gestellt.


#1 | 24. März 2010 um 14:45 Uhr
ach und pssst, Tim...
Lightning hat einen Penis.
#2 | 25. März 2010 um 00:50 Uhr
Weil ich habe ja keine Gelddruckmaschine im Keller und zur Zeit bin ich erst mal mit Kratos unterwegs um Zeus die Leviten zu lesen
#3 | 27. März 2010 um 02:36 Uhr