Sky Crawlers: Innocent Aces - Review

Hobbypiloten aufgepasst: das hier vorgestellte Wii-Spiel namens Sky Crawlers stammt von den Ace Combat Machern! Bisher gab es auf Wii kaum eine halbwegs vernünftige oder gar zufriedenstellende Flugsimulation - und eigentlich sind die Sky Crawlers da auch keine Ausnahme, denn weit und breit ist von Realismus nur wenig zu sehen. Natürliche Physik? Fehlanzeige. Stattdessen sind die actionreichen Dogfights mit klassischen Propellermaschinen mehr "Arcade" als "Simulation", machen dafür aber auch genauso viel Laune. Aber selbst wenn das glorreiche Team Aces dahintersteckt, schaffen es die Sky Crawlers nicht, die einzig wahren Helden der Lüfte zu werden. Himmlische Qualitäten sind zwar da - aber die Umsetzung landet am Ende doch auf dem Boden der Tatsachen.

Der Krieg ist allgegenwärtig



Was die Geschichte angeht, orientiert sich Sky Crawlers: Innocent Aces stark an der gleichnamigen japanischen Romanreihe. Das Geschehen spielt in einer fiktiven jüngeren Vergangenheit. Es herrscht Krieg, da den Leuten der Frieden auf Dauer zu langweilig wurde, tapfere Kampfpiloten tragen nun auf Leben und Tod ihre Dogfights in der Luft aus. Wem das jetzt schon zu krass ist, der sollte gar nicht erst weiterlesen, denn mit den sogenannten "Kildren" kommt noch ein weiterer, eher seltsam anmutender Aspekt der Story ins Spiel. Aus ungesundem Ehrgeiz kommt die "Rostock Air Force" (!) tatsächlich auf die Idee, genmanipulierte Kinder in den Kampf zu schicken, die es sich zum Ziel gesetzt haben, absolute Fliegerasse zu werden. Ihr selbst spielt das Pilotentalent Lynx und kämpft auf Seite der Rostock Air Force. Man kann es sich bereits denken, es wurde so einiges fragwürdig eingedeutscht, denn obwohl es der Name andeutet, ist mit Rostock keineswegs der Standort der Air Force gemeint - es handelt sich hingegen um einen Rüstungskonzern als Sponsor, der die Flugstaffel mit der neuesten Technik ausstattet. Genauso doof eingedeutscht ist der Name der Gegenspieler: "Lautern". Schaut man sich anschließend mal die Europa-Karte an, auf der das Geschehen stattfindet, und die japanischen Bezeichnungen für Flüsse, Städte und Figuren, ergibt das eine sehr ungewöhnliche Mischung. Trotzdem ist die Handlung interessant, wozu vor allem die tollen Anime-Cutscenes beitragen.


Sky Crawlers: Innocent Aces


Über den Wolken mit Nunchuk und Remote



Im Prinzip ist das Gameplay altbekannt: herumfliegen und die gegnerischen Schiffe, Fahr- und Flugzeuge zerstören, wobei der Fokus natürlich auf den Dogfights liegt. Gesteuert wird dabei mit WiiMote und Nunchuk, allerdings auf eine sehr ausgefallene Art und Weise: anstatt mit dem Control Stick und den Tasten zu steuern, müsst ihr das Nunchuk in die rechte Hand nehmen und wie einen Steuerknüppel verwenden, während ihr mit der Remote durch Vor- und Zurückneigen die Geschwindigkeit regelt. Prinzipiell ist das eine interessante und auch gute Idee, bei der Umsetzung hapert es aber ein wenig. Man kann zwar nach ein wenig Übungszeit problemlos durch die Lüfte fliegen und seine Manöver ausführen, das Zielen erweist sich aber als sehr umständlich und schwierig; es ist also wesentlich komfortabler, auf die traditionelle Steuerung zurückzugreifen und mit Classic- oder GameCube-Controller zu spielen. Das Highlight an den Dogfights sind die coolen Manöver, die ihr mit eurem Flugzeug ausführen könnt und die mit dem Controlstick ausgewählt werden. Mal schlagt ihr einen gewaltigen Looping, ein anderes Mal einen Korkenzieher und dann etwas ganz anderes. Es gibt neun verschiedene "normale" Manöver und ein paar besondere, die man dann einsetzen kann, wenn man einem Feind auf längere Zeit folgt, während sich eine Leiste auflädt. Je nachdem, wie weit die Leiste gefüllt ist, führt ihr dann auf Knopfdruck ein spektakuläres Überschlagmanöver aus, das euch in eine sehr gute Position bringt, um den Feind niederzuschießen und in die Luft zu jagen.

Das Missionsdesign ist allerdings alles andere als spektakulär und setzt sich im Großen und Ganzen aus 08/15-Aufgaben zusammen, die man so aus jedem x-beliebigen anderen Genrevertreter kennt. Beschützermissionen und Jägermissionen sind dabei die Missionstypen, die man am häufigsten antrifft. Hier wäre also durchaus mehr drin gewesen, zumal man alle Missionen in knapp 6-7 Stunden abgerackert hat. Spannender wird es dann, wenn man ständig neue Flugzeuge und Leistungspugrades verdient, wenn man sich in den Missionen gut anstellt. Die Bonusmission, die man nach Abschließen der Story freischaltet, ist übrigens kaum erwähnenswert und eher ein kleines nettes Beiwerk anstelle einer echten Herausforderung, die man in der Story noch etwas vermisst. Dafür darf man zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen, sodass jeder bedient sein dürfte. Absolut unnötig ist der Multiplayermodus, der überhaupt keinen Spaß aufkommen lässt. Das Schema "Bordschütze" ist altbacken und lieblos integriert.


Sky Crawlers: Innocent Aces


Die Landschaft des Grauens



Schrecklich ist aber im wahrsten Sinne des Wortes die Grafik von Sky Crawlers. Während von oben alles noch ganz annehmbar aussieht und die Flugzeuge ordentlich modelliert sind, sind die monströsen Texturen am Boden ein wahrer Schmerz für das menschliche Auge. Bäume, Städte, Gebäude, Flüsse - alles wurde wie plattgedrückt auf den Boden geklatscht. Es ist einfach furchtbar, diesen Anblick ertragen zu müssen. Was für ein Glück, dass man die meiste Zeit über den Wolken unterwegs ist und nur selten nach unten muss...
Tim

Fazit von Tim:

Sky Crawlers: Innocent Aces macht Spaß. Auch wenn die Spielzeit recht knapp bemessen und das Spiel dann beendet ist, wenn man gerade Bock auf mehr bekommt, hatte ich durchaus spaßige Stunden über den Wolken. Dass die Steuerung nicht perfekt ist, kann man noch verzeihen, schließlich gibt es keine größeren Probleme. Als nervig empfand ich aber das Missionsdesign, das kaum Überraschungen zu bieten hatte. Über die lächerlichen Eindeutschungen möchte ich kein weiteres Wort verlieren. Trotzdem ist die Handlung wirklich spannend und mit den tollen Anime-Zwischensequenzen auch gut in Szene gesetzt. Sky Crawlers macht also trotz einiger grober Mängel Laune, die Manöver sind spektakulär, die Dogfights brisant und die Flugzeuge ansehnlich modelliert. Allerdings sind plattgedrückte Landschaften nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich würde mich über einen Nachfolger freuen, dieser muss aber einiges in Sachen Spieldesign besser machen und auch umfangreicher sein. Findet man Sky Crawlers: Innocent Aces irgendwo für 10-20€, macht man auf jeden Fall keinen Fehlkauf.

Besonders gut finde ich ...
  • spaßige Dogfight-Action über den Wolken
  • prinzipiell gelungene Steuerung ...
  • tolle Story, ansehnliche Cutscenes
  • schön modellierte Maschinen
  • spektakuläre Flugmanöver
  • zahlreiche Leistungsugrades
Nicht so optimal ...
  • fürchterliche Texturschwächen (Boden!)
  • ... mit etwas unkomfortablem Zielen
  • sehr kurze Spielzeit von knapp 6 Stunden
  • abwechslungsarmes Missionsdesign
  • belangloser Multiplayer
  • lächerliche Eindeutschungen

Tim hat Sky Crawlers: Innocent Aces auf der Nintendo Wii gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von NamcoBandai Games zur Verfügung gestellt.

Sky Crawlers: Innocent Aces - Boxart
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  • Entwickler:Project Aces
  • Publisher:NamcoBandai Games
  • Genre:Arcade-Action
  • Plattform:Wii
  • Release:26.02.2010