Guitar Hero 6: Warriors of Rock - Review

Musikspiele sind die neuen Sportspiele. Jedes Jahr gibt es das obligatorische Update und während man die Änderungen am Gameplay mit der Lupe suchen muss, wird einfach die Songliste ausgetauscht. Ziemlich genau vor einem Jahr erschien Guitar Hero 5 - und bot nur wenig Neues. Nun schickt Activision "Warriors of Rock" ins Rennen. Dabei orientiert man sich nicht nur beim Titel am großartigen dritten Teil, sondern setzt auch bei der Musikauswahl auf Metal und Rock der härteren Gangart. Dazu gesellt sich eine Story um einen rockenden Halbgott, seinen Kampf gegen die Bestie und seine legendäre Gitarre. Party, Quests, Levelsystem? Das klingt alles mehr nach einem Rollen- als einem Musikspiel. Können unsere Helden an der Klampfe nicht nur den Rock, sondern auch die Guitar Hero Serie retten?

Im Hauptmenü erwarten den Spieler nach einem kurzen Intro die altbekannten Auswahlmöglichkeiten: Wer mag, kann sich in der "Rockstar Fabrik" seinen individuellen Musiker zusammenbasteln oder im Studio eigene Songs kreieren, wild drauf los jammen oder Tracks von der Community herunterladen. Daneben gibt es die gewohnten Optionen - zum Beispiel die Latenzkalibrierung und den Modus für Linkshänder - und auch bei den Spielmodi erwarten einen keine Überraschungen.

Guitar Hero 6: Warriors of Rock

Neben dem Story-Modus, der passend zur erzählten Geschichte schlicht "Abenteuer" heißt, könnt ihr im schnellen Spiel auf fast alle Songs direkt zugreifen, verschiedene Modi für den lokalen oder Online-Multiplayer auswählen sowie im Training einzelne Songs oder Abschnitte üben. Auch der im fünften Serienteil eingeführte Partymodus, bei dem ihr jederzeit das Instrument wechseln, ein- oder aussteigen und den Schwierigkeitsgrad ändern könnt, ist wieder mit an Bord. Dieser Spielmodus eignet sich besonders für einen gemütlichen Zockerabend mit ein paar Freunden. So weit, so Guitar Hero 5.

We have to unify and watch our flag ascend...


Die größte Neuerung gegenüber den Vorgängern ist die Story. Und die ist für ein Musikspiel tatsächlich außergewöhnlich. Anders als in früheren Serienteilen oder beim Konkurrenten Rock Band, wo es meist darum ging, mit einer Band auf verschiedenen Bühnen der Welt zu rocken und immer mehr Fans zu sammeln und damit neue Auftritte und Songs freizuschalten, erwartet den Spieler in "Warriors of Rock" eine abgefahrene Story um einen Halbgott, der im Kampf gegen einen riesigen Roboter nicht nur seine legendäre Gitarre verliert, sondern anschließend auch noch versteinert wird - und nun auf die Hilfe der "acht Krieger des Rock" angewiesen ist.

Erzählt wird die Story übrigens von Gene Simmons, dem Bassisten der Band Kiss. Der macht seinen Job auch richtig gut, weshalb man das Spiel unbedingt auf englisch spielen sollte. Die deutsche Sychronisation ist nämlich bei weitem nicht so gut gelungen. Bei den acht Kriegern handelt es sich um die bekannten Charaktere aus den früheren Serienteilen. Alle von Axel Steel über Austin Tejas, Pandora, Johnny Napalm, Echo Tesla, Casey Lynch, Judy Nails bis zu Lars Umlaut sind mit von der Partie.

Allerdings wollen die Krieger erstmal rekrutiert werden, dazu müsst ihr für jeden Rocker vorgegebene Songs spielen und dabei eine festgelegte Anzahl Sterne sammeln. Während es früher maximal fünf Sterne für einen Song gab, wurde dieses Limit aufgehoben: Ihr könnt durch unterschiedliche Boni der Charaktere weitere Sterne sammeln und so noch schneller die erforderlichen Punkte erreichen.

Spielt ihr als Echo Tesla, sammelt ihr zum Beispiel mit jeder 10er Notenserie 5% Starpower. Der Balken für diesen Bonus wächst also kontinuierlich, wenn ihr gut spielt. Bei Judy startet ihr immer im grünen Bereich des Rock-O-Meters. Erreicht ihr einen Überschuss, weil ihr lange Notenserien schafft, könnt ihr bis zu zwei Bonus-Sterne sammeln. Andere Boni sind höhere Multiplikatoren oder ein Schild, das eure Notenserie schützt, wenn ich euch einmal verspielt.

Guitar Hero 6: Warriors of Rock

Diese Fähigkeiten sind an die jeweiligen Charaktere gebunden und können durch das Rekrutieren der Rocker nochmals verbessert werden. Wenn ihr nämlich die erforderlichen Sterne für eines der Bandmitglieder gesammelt habt, findet eine Transformation statt und es offenbart sich die wahre Gestalt eures Helden. So wird aus Echo Tesla ein Cyborg, Johnny kann wie Spiderman an der Decke krabbeln und bekommt eine ganz ungesunde blaue Hautfarbe und orange leuchtende Augen, Judy kriegt einen Pferdefuß und macht auch sonst einen teuflischen Eindruck und Lars verwandelt sich gar in ein Schwein. Doch nicht nur optisch verändern sich die Musiker, auch ihre Fähigkeiten verbessern sich. Statt 5% steigt beispielsweise bei Echo nun der Starpowerbalken nach 10 korrekt gespielten Noten direkt um 10%.

Jeder Held bringt dabei seine eigene kleine Story mit. Die Geschichten sind aber allesamt ziemlich belanglos und nur deshalb cool, weil Gene Simmons der Erzähler ist. Nachdem ihr die ersten vier "Krieger" für euer Abenteuer zusammen habt, kämpft ihr um die legendäre Gitarre. Dabei klampft ihr euch durch das Album 2112 von Rush, wobei die Bandmitglieder Geddy Lee, Neil Peart und Alex Lifeson die Story erzählen. Rush-Fans dürfen jubeln, für alle anderen ein netter "Zwischenboss" - fairerweise ist das Album in sieben Abschnitte geteilt, so dass man zwischendurch die Finger wieder entknoten kann.

Spätestens ab diesem Moment solltet ihr entweder wahre Profis an den Plastikinstrumenten sein oder ihr müsst den Schwierigkeitsgrad runter drehen, denn der steigt nun rapide an. Auch wird der Sound härter, ihr spielt jetzt wirklich nur noch Rock und Metal. Für Fans dieser Musikrichtung natürlich genial, für alle anderen hätte man sich mehr Abwechslung wünschen können. Heruntergeladene Songs könnt ihr im Storymodus übrigens nicht spielen.

Time to destroy, time to go berserk...


Wirklich gelungen ist der Bosskampf gegen den riesigen Roboter, der den Rock zerstören will. Für die hammerharten Tracks von Megadeath, darunter der exklusiv für das Spiel komponierte "Sudden Death", stellt ihr euch selbst eure Band zusammen. Dabei gilt es auf die Fähigkeiten der einzelnen Bandmitglieder zu achten. Die drei Titel haben es dann auch wirklich in sich und jeder, der nicht wirklich absoluter Guitar Hero Profi ist, darf sich auf einige Versuche einstellen.

Guitar Hero 6: Warriors of Rock

Bevor ihr den Abspann zu sehen bekommt, dürft ihr anschließend mit dem Halbgott selbst rocken, dabei ist seine Setliste allerdings sehr einseitig - soviel sei gesagt: Metal-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Insgesamt ist die Story von Guitar Hero recht kurz, nach fünf bis sechs Stunden könnt ihr bereits die Credits sehen. Zudem ist die neue Story zwar ziemlich cool inszeniert und erinnert stellenweise an Brütal Legend, ohne jedoch dessen Qualität und Humor zu erreichen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter der Kulisse nix getan hat.

Auch bei den weiteren Spielmodi gibts nur gewohnte Kost. Neben "Pro Duell" erwarten euch die aus Guitar Hero 5 bekannten Modi "Momentum", "Serien", "Do or Die", "Perfektionist" und "Ausscheidung". Neu ist nur "Momentum+". Wie in Momentum starten hier alle Spieler im Schwierigkeitsgrad "Mittel", wer gut spielt, darf im nächsthöheren Schwierigkeitsgrad weiter spielen, wird man schlechter, sinkt er wieder. Gewonnen hat derjenige, der am Ende die meisten Punkte hat. Wer jedoch Star Power einsetzt, veringert den Schwierigkeitsgrad für den führenden Spieler auf das Minimum, es sei denn, derjenige kann sich selbst mit Star Power dagegen wehren. Das macht richtig Laune, ist aber als einzige echte Neuerung ein bisschen wenig.

Is this the real life, is this just fantasy...


Technisch hat sich dafür nochmal einiges getan. Die Charaktere sehen nochmals deutlich detaillierter aus, die Animationen sind absolut gelungen (lediglich der Schlagzeuger wirkt etwas unmotiviert) und auch auf den Bühnen geht ordentlich die Post ab. Im Gegensatz zu Rock Band, das trotz des Cartoon-Looks auf relativ echt wirkende Figuren setzt, sind die Rocker von Guitar Hero seit eh und je sehr stark überzeichnet. In Warriors of Rock ist das durch die Verwandlung noch extremer. In welchem anderen Musikspiel könnt ihr als Mumie oder Teufelsbraut abrocken?



Weil sich an der Steuerung nichts geändert hat, finden Fans der Serie sehr schnell ins Spiel, für Neulinge gibt es umfangreiche Tutorials. Soweit gibts also nichts zu meckern. Herzstück eines Musikspiels sind natürlich die Songs. Qualitativ können die Aufnahmen wieder einmal vollends überzeugen. Ob einem die Musik gefällt, ist hingegen absolute Geschmackssache. Insgesamt stehen 93 Tracks zur Auswahl. Während Rockband und auch die letzten Guitar Hero Serienableger ein recht breites Spektrum an Genres abdeckten, geht Warriors of Rock zurück zu den Wurzeln und bietet hauptsächlich Hard Rock und Metal. Für Fans ist das toll, wer mit dieser Musik nichts anfangen kann, wird keinen Spass an dem Spiel haben.

Wie auch im Vorgänger könnt ihr Songs aus früheren Teilen importieren, namentlich aus Band Hero, World Tour, Greatest Hits und Guitar Hero 5. Leider ist die Anzahl der importierbaren Songs gering (aus Guitar Hero World Tour sind z.B. gerade einmal 35 der 86 Tracks in Warriors of Rock spielbar) und zudem müsst ihr für den Import Geld bezahlen. Ebenso etwas unpraktisch: Die Songs werden nicht von der DVD des jeweiligen Spiels geladen, sondern kommen als Download aus dem Netz. Je nach Leitung kann das dauern. Für eine größere Musikauswahl im Spiel sorgt darüber hinaus auch der Onlinestore, wo derzeit etwa 400 Songs verfügbar sind. Gegenüber den rund 2.000 Songs in Rock Band allerdings nur ein relativ kleines Angebot.

Fazit von DerBene:

Zurück zu den Wurzeln: Das ist das Motto von Warriors of Rock. Und Fans von härterem Rock und Metal kommen damit auch voll auf ihre Kosten. Aber während der Storymodus durchaus einige Stunden Spielspass bietet und die Idee mit den unterschiedlichen Fähigkeiten der Rocker richtig gut ist, fehlen dem Spiel einfach echte Neuerungen.

Es gibt genau null neue Gameplay-Elemente, lediglich die Songliste wurde geändert und die Grafik gegenüber dem Vorgänger aufpoliert. Was bei Sportspielen klappt, funktioniert ja vielleicht auch bei Musikgames, dachten sich wohl die Entwickler. Um gegen die Konkurrenz von Harmonix und MTV zu bestehen, sollte jedoch auch Activision über Änderungen am Gameplay nachdenken - sonst siehts für die Zukunft der Serie relativ dunkel aus.

So bleibt unterm Strich ein sehr solides Spiel mit einem spaßigen Storymodus und einer guten Trackliste. Für Serienveteranen sicher ein Pflichtkauf, Neulinge dürfen je nach Musikgeschmack auch zugreifen, da die Story deutlich mehr bietet als der trockene Einzelspielerpart im Vorgänger. Alle anderen sollten einen Blick zum Konkurrenten Rock Band wagen.

Besonders gut finde ich ...
  • gut inszenierter Storymodus...
  • einige spaßige Spielmodi...
  • Importmöglichkeit aus alten Teilen...
  • unterhaltsamer Party-Modus
  • umfangreiche Trackliste
  • schicke Grafik mit tollen Animationen
  • und sehenswerten Lichteffekten
Nicht so optimal ...
  • ... der allerdings etwas kurz ist
  • ... die aber allesamt nicht neu sind
  • ... aber nur für ausgewählte Titel und
  • gegen Bezahlung
  • einseitige Songauswahl (Hard Rock und
  • Metal)

DerBene hat Guitar Hero 6: Warriors of Rock auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Activision zur Verfügung gestellt.

Guitar Hero 6: Warriors of Rock - Boxart
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  • Entwickler:Neversoft
  • Publisher:Activision
  • Genre:Music
  • Plattform:PS3, Xbox360, Wii
  • Release:24.09.2010