Rock Band 3 - Review
Schluss mit einfachem Tastendrücken - jetzt wird richtig gerockt!
Bislang waren Musikspiele aus der Guitar Hero- oder Rock Band-Reihe ein netter Partyspaß. Mit echter Musik hatte das Drücken von fünf farbigen Tasten und einem Kippschalter an den Plastikklampfen allerdings recht wenig gemeinsam. Doch während Activision auch in der neusten Auflage am Gameplay nichts ändert, krempelt Harmonix das Genre der Musikspiele komplett um. In Rock Band 3 warten ein Keyboard sowie Pro-Drums und Pro-Gitarre, letztere mit 102 Tasten und sechs Saiten, auf ihre Meister. Allerdings nur dann, wenn ihr bereit seid, dafür tief in die Tasche zu greifen. Ein bisschen musikalisch zu sein schadet auch nicht. Und Zeit solltet ihr sowieso mitbringen. Denn Gitarre lernt man nicht an einem Tag. Ist Rock Band 3 überhaupt noch ein Spiel?




Auch wer das Hauptmenü verlässt, bekommt an vielen Stellen das Übliche geboten: Wie in den früheren Serienteilen kommen euch die zu drückenden Tasten auf dem Noten-Highway entgegen, erreichen sie die entsprechende Markierung am unteren Bildschirmrand muss die passende Taste gedrückt sein und ihr müsst die Note anschlagen. So weit, so bekannt. Aus gefühlt drölfhundert Guitar Hero- und Rock Band-Vorgängern. Das ändert sich etwas, wenn man den echten Männercontroller mit 102-Tasten anschließt. Dazu schreib ich aber später noch ein paar Zeilen. Zunächst will ich mal mit dem bekannten und in vielen Fällen (so auch bei mir...) vorhandenen Equipment losrocken. Und da erwartet mich zumindest beim Gameplay nichts Neues...
Rock Band bleibt Rock Band...
Im Kern hat sich bei Rock Band 3 gegenüber den früheren Spielen nichts getan, allerdings wurden einige Neuerungen aus den Beatles- und Green Day-Auskopplungen übernommen. So dürft ihr auch im neusten Serienteil euren harmonischen Gesang zum Besten geben und dreistimmig in die Mikros trällern. Zusammen mit einer Gitarre, einem Bass, einem Schlagzeug und einem Keyboard kommt man so auf maximal sieben Bandmitglieder. Genügend Plastikinstrumente, Platz im Wohnzimmer und schwerhörige Nachbarn vorausgesetzt.





Die offensichtlichste Änderung gegenüber der Vorgänger ist wie bei allen Musikspielen die Setliste. Natürlich wollen die Fans neue Lieder und nicht schon wieder die gleichen Songs spielen. Harmnonix hat bei der Songauswahl sehr viel richtig gemacht - und lässt dem Spieler von Beginn an die Wahl aus 83 Originalsongs. Dabei sind die unterschiedlichsten Musikrichtungen vertreten und mit Hits aus 60er bis hinein in das aktuelle Jahrtausend ist die Songliste auch für alle Generationen geeignet. Von den Beach Boys mit "Good Vibrations" über Deep Purple mit "Smoke on the Water" (freut besonders Gitarristen), Rammstein, Marilyn Manson, Paramore bis hin zu Phoenix mit "Lasso" oder Amy Winehouse mit "Rehab" - hier kommen Popfans genauso auf ihre Kosten wie Liebhaber rockiger Klänge. Wer auf richtig heftige Metal-Sounds steht ist allerdings bei der neusten Auflage von Guitar Hero besser aufgehoben.
Musikerkarriere leicht gemacht
Anders als im Vorgänger oder bei der Konkurrenz aus dem Hause Activision gibts in Rock Band 3 keinen umfangreichen Karrieremodus mehr. Natürlich könnt ihr euch weiterhin von kleinen Bühnen durch gutes Spielen und meistern von Aufgaben, z.B. häufiges Einsetzen von Overdrive oder fehlerfreiem Spielen von ausreichend Abschnitten des Songs, bis auf in die großen Arenen hochspielen. Dabei seid ihr anfangs noch in der Straßenbahn, später im Tourbus oder im Flugzeug unterwegs und bereist so die ganze Welt. Allerdings dürft ihr die rund 600 Herausforderungen auch im Freien Spiel - also quasi jederzeit - angehen. Fortschritte in den einzelnen Aufgaben werden euch dabei, zusammen mit persönlichen Statistiken, übersichtlich im Menü präsentiert.




Für Fans von Storys im Einzelspielermodus vielleicht eine Entäuschung, für mich (und wohl für einige spontane Zocker) aber ein angenehme Neuerung. Ich brauche mir um die Karriere keine Gedanken zu machen und spiele einfach die Songs, auf die ich gerade Lust habe. Mit allem was ich mache, sammle ich Fans, schalte neue Klamotten, Accessoires und Instrumente für meinen Rocker frei und kann jederzeit meinen Fortschritt auf einen Blick im Menü überblicken. Ab und zu blinkt auch ein Erfolg auf, allerdings ist das Spiel hier ähnlich geizig wie die Vorgänger. Wer 1000 Gamerscore haben möchte, muss sich schon richtig ins Zeug legen. Doch das war bei den Musikspielen noch nie anders.
Meine Plattensammlung...
Was macht ein Musikspiel aus? Richtig, die Musik. Was eine blöde Frage. In Rock Band 3 habt ihr, zumindest theoretisch, eine geradezu unüberschaubare Auswahl an Songs. Es können nämlich Titel aus den Vorgängern importiert werden, das kostet allerdings ein paar Euro. Wer die ersten Serienteile nicht gespielt hat, kann seine Sammlung dennoch vergrößeren. Internetanschluss vorausgesetzt. Im Rock Band Music Store stehen aktuell über 2.000 Songs zum Download bereit. Und nahezu jede Woche werden es mehr. Natürlich wollen die Entwickler auch hier Geld sehen.




Damit man in seiner eigenen Musiksammlung dabei nicht den Überblick verliert, muss die Bibliothek übersichtlich dargestellt werden. Und hier macht Rock Band 3 seinen Job zu einhundert Prozent richtig. Noch nie war es so einfach, seine Musik zu sortieren, bestimmte Genre, Zeiträume, Schwierigkeitsgrade und ähnliches zu filtern und so am Ende von vielleicht 300 Songs auf der Festplatte eine Auswahl von fünfzehn oder zwanzig Titeln zu sehen. Per Tastendruck kann man in der Sammlung weiterhin zum nächsten Buchstaben springen; neu hingegen ist die Bewertungsfunktion: Wie in iTunes könnt ihr eure Lieblingslieder mit bis zu fünf
Auch sonst präsentiert sich die die Bibliothek schön und aufgeräumt: Große Coverbilder, klare Informationen zum Schwierigkeitsgrad der einzelnen Instrumente und auf Knopfdruck nochmals zusätzlich Infos zu euren bisherigen Erfolgen im Song, der Rangliste und der genauen Länge des Tracks. Da macht schon das Stöbern und Zusammenstellen von Songlisten Spaß. Die dürft ihr übrigens speichern und an Freunde verschicken.
Zwei Oktaven oder direkt 102 Tasten?
Kommen wir kurz zu den neuen Instrumenten und den Pro-Modi. Warum kurz? Immerhin ist gerade das die größte Neuerung gegenüber dem zweiten Teil. Nun, leider hat uns EA kein Keyboard und keine Pro-Gitarre für einen Test zur Verfügung gestellt. Und so kann ich euch leider nicht sagen, wieviel oder wie wenig Spaß die neuen Instrumente in der Praxis machen. Es gibt jedoch auffällig wenig Songs, die das Keyboard auch tatsächlich unterstützen. Andere wiederum haben zwar ein Keyboard-Part, dafür muss der Gitarrist dann zuschauen. Ein Beispiel dafür ist "Imagine" von John Lennon.









