Mindjack - Review
Gedankenkontrolle & Jagdfieber - der Shooter der Zukunft?
Böse funkeln die beiden Augen im Header. Hat das irgendeinen Grund? Ohja, denn Square Enix' und feelplus' neuester Third-Person-Shooter Mindjack beweist mehr oder minder eindrucksvoll, wie wertlos innovative Ideen sind, wenn es an der Umsetzung scheitert. Moment - Mindjack ist innovativ? Ja, in Mindjack stecken viele gute Ideen, kreative Ansätze, eine Menge Potential. Ausgenutzt wird davon jedoch so gut wie gar nichts. Technik, Gameplay, Leveldesign, Story - der Actiontitel versagt fast in jeder Hinsicht. Schade um die guten Ideen?
Fair oder unfair? Unterhaltsam oder nicht unterhaltsam?
Ab und zu habe ich mich gefragt, wozu ich Mindjack eigentlich spiele. Es macht irgendwie einfach keinen Spaß mehr (ja, die ersten zwei Stunden waren unterhaltsam!), langsam habe ich mich an den grau-braun-schwarzen Kulissen und den strunzdummen Klongegnern sattgesehen und meine Lust auf Verlieren ist auch wieder verschwunden. Wenn ich wenigstens einsehen würde, dass ich zu schlecht bin und noch trainieren muss, dann wäre das ja okay - aber wenn ich mit Stufe 15 einen Gegner Stufe 37 vorgesetzt bekomme, dann ist das irgendwie nicht fair. Die Idee, dass man sich in die Kampagne eines anderen Spielers einhacken kann und dort wahlweise als Freund oder Feind agiert, ist prinzipiell nicht schlecht und sorgt vor allem zu Beginn für einen großen Spaß. Allerdings ist die Entscheidung, kein Stufenlimit einzustellen, mehr als nur fragwürdig, zumal die Stufen ja nicht nur für Erfahrung stehen, sondern auch die Fertigkeiten des Spielers erhöhen. Klar: mir macht es mit Stufe 32 auch Spaß, mich bei blutigen Anfängern einzuhacken und denen dann das ganze Spiel zu versauen. Ist das fair? Nein, unterhaltsam ist es aber allemal. Es ist aber auch bezeichnend für ein Spiel, wenn der einzige Unterhaltungswert darin besteht, deutlich unterlegene andere Spieler zu erniedrigen.




"Herr, wirf Hirn vom Himmel!"
Tatsächlich ist es so, dass Mindjack einfach keinen Spaß macht. Die ersten beiden Stunden wurde ich zwar noch auf einem ausreichenden Niveau unterhalten, spätestens danach war aber Schluss mit lustig. Die Kampagne, der einzige Modus des ganzen Spiels, besteht nur aus einer öden Aneinanderreihung langweiliger Arenakämpfe gegen Massen an Klongegnern, die nicht einmal ein klitzekleines bisschen Hirn im Kopf haben. "Flankieren" und "Zielen" sind Vokabeln, die in ihrem Wortschatz nur im seltensten Falle auftreten. Das geht ja sogar schon so weit, dass ich hinter einer Deckung sitze und ein Gegner einfach mal frontal auf mich zustürmt, über die Deckung springt und weiter geradeaus rennt, nur um dann an einer Wand stehen zu bleiben und dort genau in meiner Schlusslinie in Deckung zu gehen, während er mir den Rücken zudreht. Meine Gegner scheinen ohnehin sehr reich zu sein, anders kann ich mir kaum erklären, wie man sich so viel Kanonenfutter leisten kann, denn mit jedem neuen Raum kommt eine noch größere Gegnerwelle angeschwappt - es ist zum Heulen. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das traurige Highlight sind die Bossgegner, die an Langeweile oder Einsamkeit sterben, wenn man alle ihre dämlichen Freunde ausgeschaltet hat. Ein Witz!
Wenn ich dann einmal sterbe, was häufig passiert, da man kaum etwas einstecken kann, dann kann ich mich wenigstens nicht komplett abschreiben, sondern mich in einen anderen Körper hacken und dort weiterspielen - so rennt man mal als Zivilist, als Polizist, als Soldat, Jim oder auch als Rebecca herum. Unterschiede zwischen den Figuren gibt es außer der optischen Gestaltung (eine ist hässlicher wie die andere) nicht, dafür aber jede Menge erwähnenswerte Gemeinsamkeiten: alle wollen nicht richtig in Deckung gehen, alle sind erschreckend schwach im Nahkampf, alle sind nach drei Schuss tot. Die Feinde dagegen scheinen in 10cm dicken Panzerwesten herumzurennen, durch die nur jede zehnte Kugel dringt. Jim und Rebecca sind die oberflächlichen und unsympathischen Protagonisten dieses Trauerspiels - was sie eigentlich zusammenbringt, versteht niemand und will man wohl auch gar nicht wissen. Die Story ist einfach gruselig, die Dialoge aufgesetzt und man wünscht sich irgendwann nur noch, alle Zwischensequenzen zu überspringen, um das Spiel endlich zu Ende zu bringen. Und gerade dann, wenn man sich denkt "Scheiß drauf!", fällt einem auf, dass es keine Pausefunktion gibt, damit man mal eben aufs Klo gehen kann - auch offline. Gehts noch behämmerter, feelplus?





Ab in die Tonne damit!
Selbst auf dem Klo werden Erinnerungen an Mindjack und die grau-braunen Kulissen geweckt. Und man freut sich richtig, dieses Elend herunterspülen zu können. Mindjack ist Müll, pure Langeweile, Geld- und Zeitverschwendung. Es mag Leute geben, die sich mit solch anspruchsloser Actionkost zufrieden geben, ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich spiele wirklich viele trashige Spiele, ich habe ja sogar ab und an Spaß an einer Runde Dynasty Warriors - aber Mindjack ist einfach unerträglich. Es sind harte Worte, die man so von mir nicht kennt, aber bei Mindjack nehme ich kein Blatt vor den Mund. Wer dieses Machwerk verbrochen hat, sollte dringend noch einmal Nachhilfe in Sachen Gamedesign nehmen.
Fazit von Tim:
Mindjack steckt voller guter Ideen, keine einzige davon wird aber nur halbwegs ansprechend umgesetzt. Es ist schon schade, wie lieblos man ein interessantes Konzept in den Sand setzen kann. Dass die Technik bestenfalls passabel ist - okay. Auch eine schwache Story kann ich akzeptieren. Doch die eigentlichen Probleme liegen im Gameplay und der Präsentation begründet: warum bietet die Kampagne null Abwechslung? Warum muss man einen Arenakampf nach dem anderen meistern? Warum können Spieler jeder Erfahrungsstufe meiner Kampagne beitreten? Warum kann ich kein Limit manuell einstellen? Warum ist das Leveldesign so eintönig und die Kulisse so langweilig? Warum gibt es Bosskämpfe, wenn die Bosse sowieso automatisch an Langeweile sterben? Dazu kommen noch teils sehr starke Lags. Hätte man (viel) mehr Zeit investiert, wäre hier möglicherweise ein solides bis gutes Spiel herausgekommen. So aber bleibt nicht mehr als ein unterdurchschnittliches Stück Software, das trotz vielversprechender Ideen nicht unterhält, sondern einschläfert. In meinen Augen ein klarer Fall für die Tonne.
Jim und Rebecca verschwinden hoffentlich schnell im Nirvana, Mindjack landet in der Tonne und feelplus nimmt täglich Nachhilfe in Gamedesign. Finger weg davon!
- zahlreiche neue, interessante Ideen
- On-/Offline-Kampagne unvorhersehbar
- eintönige Kampagne ohne Variation
- teilweise starke, störende Lags
- triste Grafik & öde Inszenierung
- Online-Spieler jeder Stufe können eigener Kampagne beitreten
- strohdumme KI: Masse statt Klasse
- Story spielt absolut keine Rolle
Tim hat Mindjack auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Square Enix zur Verfügung gestellt.



#1 | 9. Februar 2011 um 21:25 Uhr