Need for Speed: Shift 2 Unleashed - Review
Need for Speed auf dem Weg zur Simulation - kann das klappen?
Vor ungefähr 1 1/2 Jahren, im Oktober 2009, raste Need for Speed: Shift auf das Podest meiner Lieblingsrennspiele - ein riesiger Erfolg für das Spiel, denn eigentlich bin ich kein allzu großer Freund von realistischen Rennsimulationen. Forza Motorsport III geht in Maßen noch, Gran Turismo 5 dagegen ist mir schon zuwider. Dass mir Shift aber richtig gut gefallen hat, das ist etwas besonderes. Ob die Entwickler diesen Erfolg mit Need for Speed: Shift 2 Unleashed wiederholen können? Schließlich will man ja jetzt richtig die Simulationskurve einschlagen und sogar Forza und Gran Turismo Konkurrenz machen ...
Mein ganz persönlicher Lamborghini!
Ich liebe meinen Lamborghini Gallardo. Wirklich. Als ich mich nach knapp sechs Stunden endlich hinter das Steuer eines meiner absoluten Traumautos schwingen durfte und damit über die Piste brettern konnte - das war der Moment, der mir gezeigt hat, warum mich Need for Speed: Shift 2 Unleashed so begeistert. Es geht nicht einmal darum, wie großartig die Autos in Nah- und Fernaufnahme aussehen, wie fantastisch der Soundtrack klingt, der unter anderem exklusive Remixes von Songs von 30 Seconds to Mars und Rise Against beinhaltet, wie herrlich die Motoren aus den Lautsprechern dröhnen und wie wunderbar flüssig sich Shift 2 Unleashed fährt. Es geht vor allem darum, dass dieses Shift 2 Unleashed atmosphärisch ein absolutes Brett ist. Dank der neuen Helmkamera verspürt man die Intensität der Rennen noch mehr, Unfälle fühlen sich wie richtige Katastrophen an, man versucht um jeden Preis, auch nur den kleinsten Fehler zu vermeiden, um sein wertvolles Auto nicht zu beschädigen - auch wenn das Schadensmodell optisch wie spielerisch recht dürftig ist. Ich hatte verdammt viel Spaß mit Need for Speed: Shift im Jahre 2009 - aber Shift 2 Unleashed hat das noch einmal getoppt. Doch alles der Reihe nach. Man startet ja auch nicht gleich mit einem Lamborghini Gallardo, richtig?





"Wir wollen Forza Motorsport III und Gran Turismo 5 Konkurrenz machen!"
Auch wenn man das bei Electronic Arts und den Slightly Mad Studios nicht wortwörtlich so gesagt hat, so ging es tendenziell doch sehr stark in diese Richtung. Wir erinnern uns an dieser Stelle mal an Need for Speed: Shift. Das Rennspiel war ein richtig gutes, das sich teils sehr realistisch anfühlte, teils aber auch leicht arcadig und erstaunlich actionreich. Zudem ist die Fahrphysik weit entfernt gewesen von dem, was damals schon ein Forza Motorsport III geboten hatte. Und nun will man mit Shift 2 Unleashed endgültig den Simulationsweg gehen? So hatte es EA zwar verlauten lassen, allerdings schlägt das Rennspiel einen ganz eigenen, persönlichen, bis dato fast unbetretenen Weg ein. Anstatt sich mathematisch korrekt auf die Physik zu konzentrieren, setzt Shift 2 Unleashed auf die Erfahrung. Das Spiel will gar nicht mit den Großen mithalten, es will sie in einem anderen Bereich übertrumpfen. Ich bin zwar kein Rennspielnerd, saß selbst in echt auch noch nie am Steuer eines Autos, aber ich lege mich fest: in keinem anderen Rennspiel, weder in Forza Motorsport III oder Gran Turismo 5, noch in Colin McRae: DiRT 2 oder sonst irgendeinem Racer fühlt sich das Fahren dermaßen authentisch an. Und damit meine ich nicht etwa die Steuerung, sondern schlicht und einfach das Gefühl beim Fahren.
Dazu trägt erwartungsgemäß vor allem die neue und erstaunlich intensive Helmperspektive ihren Teil bei. Es ist richtig cool, sich vor Kurven oder speziell beim Driften weit zur Seite oder gar hinauszulehnen und zu sehen, wie knapp die Räder an der Kante vorbeischlittern. Auch wenn das im Grunde mehr eine Spielerei ist und spielerisch keine wirkliche Revolution - es sorgt für ein packendes Fahrgefühl und vermittelt die Intensität eines Rennens. Man muss aber natürlich nicht mit Helmkamera losziehen, sondern kann sich zwischen fünf verschiedenen Perspektiven entscheiden, darunter befinden sich auch die obligatorische und immer noch brillant umgesetze Cockpitperspektive sowie eine Sicht von der Motorhaube aus. Das Geschwindigkeitsgefühl in Shift 2 Unleashed ist dem des Vorgängers sehr ähnlich: das Spiel macht ausgiebigen Gebrauch des Blur-Effekts, allerdings gerade so, dass es nicht überzogen wirkt. Das ist schön, das sieht sehr gut aus, das gefällt. Und wie ist es mit dem Gameplay?




Totgedriftet ...
Einer der größten Kritikpunkte an Need for Speed: Shift war für viele Spieler der übertriebene Fokus auf Drift-Events: sie waren zwar relativ gut spielbar, aber auf Dauer hatte man genug davon. In Shift 2 Unleashed hat man dieses Manko entschärft, da Drift-Events nur noch einen ganz kleinen Bruchteil der Karriere-Veranstaltungen ausmachen - und man muss sie ja nicht einmal spielen, um die nächste Klasse oder Fahrerstufe zu erreichen! Allerdings steuert sich das Driften selbst um einiges schwieriger als im Vorgänger, so empfand ich es wenigstens beim Spielen. Nach ein bisschen Übung klappt aber auch das. Apropos Fahrerstufen: die Karriere ist in Shift 2 Unleashed immer noch ähnlich wie im Vorgänger konzipiert, sodass man für erfolgreiches und überzeugendes Fahren Erfahrungspunkte sammelt, welche dann neue Fahrerstufen freischalten. Mit einer neuen Fahrerstufe erhält man dann eine kleine oder große Geldspende, vielleicht ein oder zwei neue Tuning-Optionen oder sogar einen kompletten Bonuswagen. Dieses XP-System motiviert ungemein und stellt damit - wie schon in Teil 1 - einen ganz großen Pluspunkt des Spiels dar. Ob man nun sauber überholt, auf das Podium fährt oder die Ideallinie einhält: es gibt fast für jede gute Aktion XP. Das macht richtig Spaß!
Was jedoch nicht immer Spaß macht, ist das Fahren gegen die KI. In den meisten Fällen agiert sie überraschend intelligent, weicht gecrashten Autos aus und abgesehen davon hält sie sich konsequent an die Ideallinie. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, denn ab und zu scheint die KI nichts mehr davon zu halten: dann wird gerempelt und weggestoßen, aggressiv hineingefahren und so weiter. Und es kann sogar noch schlimmer kommen, da ich auf der Xbox 360 auch einige Totalausfälle miterleben musste. Die Wagen hingen quasi fest und drehten immer wieder Kurven auf dem Kiesbett, ohne auf die Strecke zurückzufahren. Manchmal rast die KI auch einfach mitten in gecrashte andere Autos hinein - das sieht doof aus und nimmt dem Spiel ein wenig die Authenzität. Zum Glück halten sich solche Totalausfälle aber sehr in Grenzen, sodass man sie nur vielleicht alle 4,5 Stunden einmal zu Gesicht bekommt. Sprich: es ist kein ernstzunehmender Kritikpunkt.





Ein technischer Leckerbissen
Neben der Karriere, die mit viel Abwechslung und zahlreichen verschiedenen Eventtypen (Rennen, Hotlap, Driften, Meisterschaft, Herausforderung usw.) punktet, kann auch die Technik weitestgehend begeistern: rein optisch macht Need for Speed: Shift 2 Unleashed einen sehr guten Eindruck, die Strecken sind erstaunlich detailliert und natürlich sind die Automodelle das klare Highlight. Auch wenn man sie nicht mit den Edelkarossen eines Gran Turismo 5 vergleichen sollte, so haben die Slightly Mad Studios doch einen guten Job gemacht. Vor allem dank der sehr ansehnlichen Spiegelungen und feiner Texturen sowie überzeugender Innenausstattung genießt man jedes neu errungene oder gekaufte Auto. Apropos: der Fuhrpark mag mit knapp 140 Boliden im Vergleich zu den über 1000 Autos der Konkurrenz etwas mager erscheinen, dafür muss man sich hier aber nicht stundenlang mit einem VW Golf oder ähnlichen Standardautos quälen, bis man sich endlich hinter das Steuer richtiger Autos schwingen darf. Nach knapp drei bis vier Stunden hat man schon einmal einen Ford GT oder Porsche Carrera in der Garage stehen - ich habe ja meinen Lamaborghini Gallardo. Verzichten müssen Autoliebhaber aber unter anderem auf Ferrari: die italienische Edelmarke ist nicht in Shift 2 Unleashed vertreten. Dafür darf man seine Autos ausgiebig tunen - optisch wie technisch.
Neu ist auch das Autolog-Feature, das man ja bereits seit Ende 2010 aus Need for Speed: Hot Pursuit kennt. Und es überzeugt in Shift 2 Unleashed genauso: wenn man Freunde hat, die das Spiel auch besitzen, dann sieht man sofort auf einen Blick Bestenlisten und empfohlene Events, außerdem wird man direkt informiert, wenn sein eigener Highscore geschlagen wurde, und so weiter und so fort. Autolog ist auch für Shift 2 Unleashed eine mehr als nur gelungene Ergänzung und sorgt online für eine hohe Motivation. Natürlich gibt es auch einen Mehrspielermodus, allerdings nur online - lokal kann man nicht gegeneinander antreten, was ja im Genre mittlerweile üblich ist. Bis zu zwölf Spieler können gleichzeitig in einer Onlinerunde gegeneinander antreten, falls es weniger sind, kann optional auf die KI einspringen. Die Onlinerennen machen Spaß, auch wenn man leider keine Meisterschaften ausrichten kann. Zudem gibt es - wie so oft - auch hier eine Menge Spieler, die lieber fröhlich rempeln und attackieren, anstatt sich als gute Fahrer zu beweisen. Dafür läuft immerhin alles wunderbar flüssig. Doof nur, dass die Wartezeiten in der Lobby sehr, sehr knapp gehalten sind, sodass man nicht immer rechtzeitig ein paar Einstellungen vornehmen kann. Wer online spielen will, braucht außerdem den Online-Pass, was Gebrauchtkäufern nicht gerade entgegenkommt - 800 Microsoft Points müssen die nämlich berappen, um online spielen zu können. Eigentlich eine Frechheit ...
Fazit von Tim:
Need for Speed: Shift 2 Unleashed ist vor allem eines: besser als der Vorgänger. Und der war ja bekanntlich schon richtig gut. Shift 2 Unleashed geht nun aber ein paar Schritte weiter, fügt das großartige Autolog-Feature hinzu, erweitert die Kampagne um mehr Abwechslung, baut den Fuhrpark etwas aus, verkürzt die Ladezeiten recht deutlich und spendiert uns ein attraktives und inforeiches Lademenü, verbessert die Fahrphysik und ergänzt eine wunderbar intensive und authentische Helmkamera. Im Großen und Ganzen ist auch Need for Speed: Shift 2 Unleashed keine Revolution. Das angepeilte Ziel, Gran Turismo 5 und Forza Motorsport III Konkurrenz zu machen, konnte EA ebenfalls nicht erfüllen. Dafür aber war Rennsport selten so packend wie hier. Es geht nicht um mathematische Korrektheit, sondern um das Erlebnis, um das Renngeschehen, um die Atmosphäre - und genau das schafft Shift 2 Unleashed! Wer seinen Spaß am Vorgänger hatte, wird auch hier zugreifen müssen. Und für Shift 3 (dieses Mal bitte ohne das "Need for Speed" im Namen) wünsche ich mir noch mehr Realismus, noch mehr Fahrspaß und einen umfangreicheren Soundtrack. Und wenn ich daran denke, dass ich damals im Media Markt noch zwischen Lego Star Wars III: The Clone Wars und ebenjenem Shift 2 Unleashed geschwankt habe: ich weiß, ich habe die richtige Wahl getroffen.
Shift 2 Unleashed ist Shift in besser - dank dem Autolog-Feature, verbesserter Fahrphysik, grandioser Soundkulisse und einer abwechslungsreichen Karriere. Weiter so!
- nochmal verbesserte Fahrphysik
- sehr intensive Helmperspektive
- gut für Einsteiger & Veteranen
- motivierendes Karrieredesign
- gute Strecken- & Auto-Grafik
- vielfältig bestückter Fuhrpark
- massenhaft Tuning-Optionen
- großartige Soundeffektkulisse
- hervorragender Soundtrack
- guter Online-Mehrspielermodus
- Autos neigen noch zum Rutschen
- in Bezug auf Realismus keine Kon- kurrenz zu GT5, Forza & Co.
- knapp gehaltener Soundtrack
Tim hat Need for Speed: Shift 2 Unleashed auf der Xbox 360 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.




#1 | 15. April 2011 um 14:51 Uhr
#2 | 18. April 2011 um 12:45 Uhr
#3 | 22. April 2011 um 01:22 Uhr
#4 | 26. April 2011 um 14:09 Uhr
#5 | 26. April 2011 um 18:08 Uhr
@capfu
Auch wenn das glaube ich ironisch gemeint war - teilweise mag ich das Rutschen auch, aber manchmal ist es so übertrieben, dass man sich komplett um 180° dreht. Das darf nicht sein.