White Knight Chronicles II - Review

Letztes Jahr enttäuschten sowohl Final Fantasy XIII als auch White Knight Chronicles - beide Rollenspiele litten unter eklatanten Mängeln wie streng linearem Spieldesign, auf Dauer langweiligen Kämpfen und unnötigen Automatismen. Während ersteres wenigstens optisch begeistern konnte, sah White Knight Chronicles auch noch relativ unattraktiv aus. Nun ist White Knight Chronicles II da und ich habe das Rollenspiel genau untersucht. Ob der Schwierigkeitsgrad dieses Mal besser ausgefallen ist, die Kämpfe spannender sind und die Story endlich überzeugt? Wie sich der weiße Ritter in seinem zweiten PS3-Auftritt schlägt, verrät meine Review.

Besitzt ihr White Knight Chronicles schon? Ja? Dann denkt genau darüber nach, ob ihr den Nachfolger wirklich haben müsst. Klar: Wenn ihr Teil 1 liebt, dann werdet ihr wahrscheinlich schon längst zugegriffen haben. Wer das Original, das letztes Jahr auch in Europa erschienen ist, allerdings nur "ganz nett" fand, der braucht diesen Nachfolger nicht. Wir erinnern uns an das Ende von White Knight Chronicles: Zwar war die Mission erfolgreich, es bleiben allerdings einige offene Fragen. In White Knight Chronicles II wird diese Geschichte erwartungsgemäß fortgesetzt, erneut tritt man gegen Grazel und seine Armee an, erneut hinterlässt die Story einige Fragen, die im damit wohl garantierten dritten Teil beantwortet werden. Aber keine Angst: Es erwartet euch kein solch abrupter und unbefriedigender Cliffhanger wie beim Vorgänger. Dennoch ist die Geschichte mal wieder nicht das Gelbe vom Ei, zumal man die meisten Charaktere bereits kennt und die Dramatisierung sogar noch zurückgefahren wurde. Die selbst erstellte Figur ist wieder ein dämlicher, stummer und unnötiger Protagonist - auch das kennt man so schon vom ersten Teil. So weit, so gut. Aber hat sich wenigstens spielerisch und inhaltlich etwas getan, wenn schon die Story nicht überzeugen kann?

White Knight Chronicles II


Bekannte Umgebungen, bekannte Gegner, bekannte Probleme



Die Antwort ist: nein! Grundsätzlich leidet White Knight Chronicles II immer noch an den gleichen Kinderkrankheiten wie der Vorgänger. Zwar hat Level-5 an einigen Elementen gearbeitet, beispielsweise am Kampfsystem, aber insgesamt hat sich viel, viel zu wenig getan. Auch wenn sich die Kämpfe nun flotter und dynamischer spielen und der Schwierigkeitsgrad angehoben wurde, sorgt die umständlich zu bedienende, unbequeme und viel zu kleine Aktionspalette für Frust. Es ist schön, dass man selbst Combos erstellen kann, das fand ich schon im Vorgänger super - aber sie im Echtzeit-Kampf auszuwählen, ist unnötig umständlich. Das Hin- und Herschalten zwischen Haupt- und Nebenpalette ist ebenfalls kein Akt der Bequemlichkeit. Das alles führt letzten Endes dazu, dass die Kämpfe zwar Spaß machen, auf Dauer aber anöden und man nicht allzu häufig auf viele verschiedene Combos setzt. Immerhin kann sich der eigene Statist nun auch in einen Incorruptus, also einen der großen Ritter, verwandeln. Man tritt in seinem Abenteuer außerdem gegen etliche Gegner an, die man schon aus dem Vorgänger kennt - neue Feindestypen gibt es nur sehr wenige. Es kommt sogar noch schlimmer: Nicht nur Story-Charaktere und Gegnertypen, sondern auch die Spielumgebungen werden gnadenlos wiederverwertet. Gefühlte 95% des Spiels hat man so schon in White Knight Chronicles gesehen!

White Knight Chronicles II betreibt so exzessives Recycling, dass die wenigen neuen Inhalte abseits der Story völlig untergehen. Mit Faria gibt es zwar eine neue Stadt, ansonsten bleibt die Weltkarte genau so, wie man sie bereits im Vorgänger kennen gelernt hat. Macht es nun Spaß, durch die vielen bekannten Gebiete zu streifen, die man so schon mehrfach erkundet hat? Ja! White Knight Chronicles II weiß erneut zu unterhalten, allerdings ist es enttäuschend, dass sich Level-5 so wenige Mühe gegeben hat, den Spieler zu überraschen. Selbst die Technik ist auf dem gleichen veralteten Stand, auch wenn sich Pop-Ups und nachladende Texturen auffällig stark zurückgezogen haben. Aber die Figuren sehen immer noch aus wie überschminkte Puppen, die Umgebungen wirken teils sehr starr und die Animationen sind bestenfalls durchschnittlich. Dafür ist der Online-Mehrspielermodus immerhin erneut ein Garant für Dutzende Stunden Spielzeit, auch wenn sich hier spielerisch wieder nichts gegenüber dem Vorgänger getan hat. Zudem gibt es jetzt einen Online-Pass und mit Spielern des Originals kann man auch nicht online loslegen, obgleich beide Spiele exakt denselben Multiplayer bieten - das ist verschenktes Potential. Hinsichtlich des Umfangs kann man sich dennoch nicht beschweren, alleine die Story sollte über 30 Stunden lang beschäftigen.


White Knight Chronicles II


Den Vorgänger im Gepäck - doppelte Spielzeit, doppelter Spielspaß?



Der größte Pluspunkt an White Knight Chronicles II ist die Tatsache, dass auch White Knight Chronicles in überarbeiteter Form auf der selben Blu-Ray-Disc zu finden ist. Überarbeitete Form bedeutet, dass die Technik einen etwas besseren Eindruck macht und das Kampfsystem dem Nachfolger angepasst wurde - zwei gute Schritte, die das Rollenspiel ein bisschen besser machen. Alles in allem sind beide Spiele dennoch nur solide, da sie mit ein und denselben Problemen kämpfen und sich weder spielerisch noch inhaltlich weiterentwickeln. Da es keine Einleitung in White Knight Chronicles II gibt und man quasi ins kalte Wasser geworfen wird, ist das Spiel für Einsteiger besonders interessant, weil man direkt beide Spiele hintereinander zocken kann. Außerdem erstreckt sich die gesamte Spielzeit damit auf mehr als 80 Stunden, ohne überhaupt einen Blick in den Online-Mehrspielermodus geworfen zu haben.

Wie sich White Knight Chronicles spielt, erfahrt ihr in meiner Review aus dem letzten Jahr.



Tim

Fazit von Tim:

White Knight Chronicles war solide, White Knight Chronicles II ist solide. Viel hat sich seit dem Vorgänger nicht getan, Level-5 hat allen Ernstes nahezu sämtliche Umgebungen und Gegner recycelt und mit neuen Inhalten dermaßen gegeizt, dass es einem schwerfällt zu glauben, hier einen vollwertigen Nachfolger vor sich zu haben, der eine "2" im Titel trägt. Das Spiel leidet unter den gleichen eklatanten Mängeln wie sein Vorfahre: Die eigene Spielfigur ist ein unnützer, unnötiger und völlig belangloser Statist ohne Stimme und Charakter, die Aktionspalette im Kampfsystem ist immer noch umständlich zu bedienen und technisch kann auch dieser Teil der Rollenspiel-Saga nicht überzeugen. Klar: Es gibt positive Seiten, der Online-Modus weiß weiterhin zu unterhalten, das Kampfsystem ist etwas flotter und der Schwierigkeitsgrad richtet sich mal nicht nur an Videospiel-Jungfrauen. Wer noch kein White Knight Chronicles gespielt hat, darf gerne zugreifen und bekommt über 100 Stunden Spielzeit geboten, da der erste Teil bekanntlich mit auf der Disc ist. Besitzer vom Original sollten allerdings nur dann den Nachfolger spielen, wenn sie unbedingt wissen wollen, wie die Story weitergeht. Denn abgesehen davon bietet White Knight Chronicles II so gut wie keine spielerischen, inhaltlichen und technischen Reize. Schade. Hoffentlich macht White Knight Chronicles III alles besser ...

Ohne Teil 1 im Paket wäre White Knight Chronicles II eine Frechheit, so ist es eine Enttäuschung. Keine neuen Ideen, immenses Recycling, bekannte Probleme - das ist kein würdiger Nachfolger zu einem immerhin soliden Rollenspiel.

Besonders gut finde ich ...
  • dynamischeres Kampfsystem
  • höherer Schwierigkeitsgrad
  • überzeugender Online-Modus
  • Teil 1 mit auf der Disc
Nicht so optimal ...
  • Umgebungs-, Gegner-, Item-Recycling
  • fast keine richtigen neuen Inhalte
  • eigene Spielfigur immer noch egal
  • recht umständliche Aktionspalette
  • Story schlechter als im Vorgänger
  • wenige technische Verbesserungen
  • keine Erklärung für Einsteiger

Tim hat White Knight Chronicles II auf der PlayStation 3 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Sony CEE zur Verfügung gestellt.

White Knight Chronicles II - Boxart
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  • Entwickler:Level 5
  • Publisher:Sony CEE
  • Genre:JRPG
  • Plattform:PS3
  • Release:10.06.2011

Kommentare & Likes

Deine Meinung ist gefragt.
  • Fetzig
    #1 | 5. Juli 2011 um 17:50 Uhr
    schade. wieso haben die entwickler denn die zeit nicht genutzt, um die negativpunkte ihres ersten spiels auszubessern? ich dachte gerade dafür seien fortsetzungen gut?

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