Carrion | Kurz-Review
von Philipp Weinbrecht

Spiele, in denen man als Heldenfigur gegen eine übernatürliche Bedrohung kämpft, gibt es wie Sand am Meer. Spiele, in denen man den Spieß umdreht und als Abnormalität den Menschen das Fürchten lehrt, gibt es hingegen seltener. Auftritt: Carrion.
Als Wesen unbekannter Herkunft schlüpft man in einem Labor tief unter der Erde aus dem Reagenzglas und hat daraufhin nur ein Ziel: Überleben. Folglich verbringt man die nächsten 4-6 Stunden damit, immer mächtigere Fähigkeiten zu finden und zu entkommen. Diese erstrecken sich von "unsichtbar machen" zu "Menschen fernsteuern" bis hin zu "mit voller Wucht alles im Weg stehende in Stücke reißen". Auf dem Weg durch die Labore verleibt man sich Mitarbeiter ein, um zu wachsen und sich zu heilen. Auch das Militär mischt mit und versucht mit Flammenwerfern, Drohnen und Mechs gegen das Wesen anzukommen. Die Kämpfe sind dabei knackig, dank der Twin-Stick-Steuerung aber präzise und fair. Selbiges gilt für die Rätsel, die es zu lösen gilt, um Fallen und Hindernisse zu überwinden. Generell fühlt sich die Steuerung intuitiv an und lässt keine Wünsche übrig.
Auch, wenn die Umgebungen sich von Botanik über Atomkraftwerk zu Bunkeranlage theoretisch unterscheiden, hätte dem Spiel etwas mehr Vielfalt nicht geschadet. Auch eine Karte wäre, trotz der Linearität, hin und wieder wünschenswert gewesen. Zum Glück ist das Spiel kurz genug, als dass kleinere Makel wie genannte visuelle Abwechslung, geringe Gegnervielfalt oder die dann doch recht repetitive Mechanik gegen Ende nicht zu sehr ins Gewicht fallen, zumal das Gameplay viel zu viel Spaß macht. Auch nach dem drölfzigsten in Stücke gerissenen und verspeisten Kadaver bereitet die Rolle als übermächtiges Wesen einfach eine diebische Freude. Mehr kann und will das Spiel auch gar nicht bieten, was dem Spielspaß hilft, den Wiederspielwert allerdings senkt.











